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Mäuse nagen sich glücklich
Biologie

Mäuse nagen sich glücklich

Wenn Nagetiere nagen, ist das kein rein mechanischer Prozess. Eine Studie zeigt, dass ein zuvor unbekannter Belohnungsschaltkreis im Gehirn durch die Reize am Zahnfleisch aktiv wird und für Motivation sorgt. Die Ergebnisse erklären zum einen, wie repetitive Verhaltensweisen über einen längeren Zeitraum…
Autor
Elena Bernard
10. März 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Biologie

Bei Nagetieren wachsen die Schneidezähne während des gesamten Lebens. Wenn sie nicht kontinuierlich durch Knabbern an harten Objekten abgenutzt werden, werden sie so lang, dass betroffene Tiere nicht mehr fressen können und schließlich verhungern. Das Nagen ist somit über die reine Nahrungsaufnahme hinaus lebenswichtig. Doch was bringt Mäuse, Meerschweinchen und Co. dazu, freiwillig alles anzunagen, was in ihre Reichweite kommt?

Belohnungssystem aktiviert

Eine Antwort auf diese Frage hat nun ein Team um Xin-Yu Su von der University of Michigan gefunden. „Wir haben herausgefunden, dass es sich beim Nagen um ein motiviertes Verhalten handelt“, erklärt Sus Kollege Bo Duan. „Es gibt einen definierten neuronalen Kreislauf, der sensorische Eingaben von den Zähnen mit Dopamin-Neuronen im Mittelhirn verbindet. Das zeigt uns, dass selbst sehr grundlegende Erhaltungsverhalten aktiv vom Gehirn verstärkt werden.“

An Mäusen verfolgten die Forschenden die Nervenverbindungen nach, die beim Nagen aktiviert werden. Demnach senden die Berührungssensoren im Zahnfleisch Signale an zwei unterschiedliche neuronale Bahnen. Die eine führt zu Motoneuronen, die die Kieferbewegungen steuern und die Schneidezähne in die richtige Position bringen. Doch über diese mechanische Komponente hinaus gibt es auch eine motivationale Komponente: Die zweite Nervenbahn führt bis ins Mittelhirn, wo sie für eine Dopaminausschüttung sorgt. Wenn die Maus nagt, wird demnach ihr Belohnungssystem aktiv.

Um herauszufinden, welche Rolle dieser Schaltkreis für die Aufrechterhaltung des Nageverhaltens spielt, blockierten Su und sein Team bei einigen Versuchsmäusen die entsprechenden Nervenverbindungen. Rein motorisch waren die Tiere weiterhin in der Lage, zu nagen, doch offenbar fehlten ihnen Lust und Ausdauer. Sie nagten weniger als ihre Artgenossen, ihre Zähne wuchsen übermäßig und die Kiefer verschoben sich seitlich, da die zu langen Zähne sonst nicht mehr in das kleine Mäusemaul passten. „Das bestätigt, dass die Dopaminausschüttung essenziell ist, um die Nage-Motivation aufrechtzuerhalten“, schreiben die Forschenden.

Ähnliche Schaltkreise beim Menschen?

Aus Sicht der Forschenden könnten die Ergebnisse auch über Nagetiere hinaus relevant sein. Denn auch wenn die Zähne bei den meisten anderen Säugetieren nicht unbegrenzt wachsen, ist es für die Nahrungsaufnahme wichtig, die Kiefermuskulatur gut trainiert zu halten. Ein Belohnungsschaltkreis, der die Motivation für Kaubewegungen erhöht, könnte sich deshalb auch bei anderen Tierarten bis hin zum Menschen durchgesetzt haben. „Menschen kauen beispielsweise gerne Kaugummi, zeigen aber teilweise auch schädliche Gewohnheiten wie Zähneknirschen oder zwanghaftes Nägelkauen“, erläutern Su und seine Kollegen. „Diese Verhaltensweisen beinhalten ebenfalls einen kräftigen Kontakt der Zähne und werden oft durch innere Zustände wie Stress oder Aufregung moduliert.“

In zukünftigen Studien möchte das Team herausfinden, ob ähnliche sensorische Belohnungsbahnen tatsächlich auch bei anderen Tieren und Menschen aktiv sind. „Wir glauben, dass dies ein allgemeineres Prinzip sein könnte“, sagt Duan. „Wenn wir verstehen, wie diese Schaltkreise organisiert sind, könnte uns das letztendlich helfen, sie gezielt anzugehen, wenn das Verhalten maladaptiv wird.“

Quelle: Xin-Yu Su (University of Michigan, Ann Arbor, USA) et al., Neuron, doi: 10.1016/j.neuron.2026.01.021

Nagezähne

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