Ganz alltägliches Verhalten von Frauen ? etwa ein freundliches Lächeln ? deuten Männer gerne fälschlich als sexuelles Interesse. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler der Universität Princeton, nachdem sie die Wahrnehmung von 285 Probanden erfasst haben.
Grund für diese Fehleinschätzung dürfte eine Art Selbstprojektion sein, spekuliert die Psychologin Robyn LeBoeuf auf dem Jahrestreffen der Gesellschaft für Persönlichkeits- und Sozialpsychologie: Wer selber lächelt, um sein Interesse anzumelden, denkt, dass der andere ähnliches im Schilde führt.
Vor allem bei Männern, deren Liebesleben nach eigenem Ermessen unbefriedigend ist, stellten die Psychologen ein Missverhältnis zwischen Realität und Wahrnehmung fest. Auch dieses Ergebnis lässt sich mit der Projektionstheorie erklären: Wer viel an Sex denkt, projiziert entsprechendes Interesse auf sein Gegenüber.
Männer, die angaben, ein erfülltes Sexualleben zu führen, wussten das weibliche Verhalten in der Regel wesentlich näher an der Realität zu deuten. Auch Frauen hatten keinerlei Probleme, das Verhalten der Männer richtig einzuschätzen: Wen sie für interessiert halten, der ist es in der Regel auch.
Für den Versuch mussten die Teilnehmer eine detaillierte Beschreibungen typischer Verhaltensweisen lesen und anschließend auf einer 7-Punkte-Skala bewerten, für wie wahrscheinlich sie es halten, dass die entsprechende Person sexuell interessiert ist.
Irina Lorenz-Meyer





