Sexuelle Selektion heißt das Stichwort: Den Verlauf der Evolution prägte bei einigen Arten nicht nur, wie gut die Tiere an die jeweiligen Anforderungen ihrer Lebensweise angepasst waren, sondern auch die innerartliche Partnerwahl. Diesen Aspekt hat bereits Charles Darwin als einen wichtigen Faktor in der Evolution bestimmter Merkmale bei Tierarten erkannt. In diesem Zusammenhang steht bisher allerdings die Frage im Raum, inwieweit auch die Entwicklung der kognitiven Fähigkeiten bei einigen Lebewesen mit der sexuellen Selektion verknüpft ist. Es erscheint plausibel, dass bei einigen höher entwickelten Tieren eine Art Zucht auf Intelligenz abläuft – besonders clevere Individuen werden möglicherweise als Partner bevorzugt. Einen konkreten Nachweis dieses Aspekts bei der Partnerwahl gab es bisher allerdings nicht.
Partnerspielchen mit Wellensittichen
Um die Annahme Darwins zu überprüfen, hat sich ein internationales Forscherteam um Jiani Chen von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking nun Wellensittiche als Versuchstiere herausgesucht. Diese kleinen Vertreter der Papageienvögel sind für ihre beachtlichen Intelligenzleistungen bekannt: Sie können voneinander lernen, erkennen Zusammenhänge und zeigen cleveres Problemlösungsverhalten. Wie stark diese Fähigkeiten ausgeprägt sind, ist allerdings von Tier zu Tier unterschiedlich. Mit anderen Worten: Es gibt bei den Wellensittichen besonders schlaue Kerlchen aber auch vergleichsweise schlicht begabte Individuen.
Im Rahmen ihrer Studie haben die Forscher nun untersucht, inwieweit dieser individuelle Grad der Intelligenz eine Rolle bei der Partnerwahl dieser Vögel spielt. Bei den Wellensittichen entscheiden in diesem Zusammenhang die Weibchen: Sie suchen sich aus verschiedenen Kandidaten einen Partner aus, mit dem sie dann eine Paarbindung eingehen. Chen und seine Kollegen sind nun durch raffinierte Experimente der Frage nachgegangen, ob bei der Entscheidung der Weibchen die Beobachtung von Kandidaten eine Rolle spielt. Konkret: Beeinflusst es die Weibchen, wenn sie ein Männchen bei besonders cleverem Verhalten beobachten?
Scheinbar dümmere Partner werden verlassen
Zunächst vergesellschafteten die Forscher dazu jeweils zwei Männchen mit einem Weibchen, das sich einen der beiden Kandidaten als Partner aussuchen sollte. Nachdem sich die Vogeldamen entschieden hatten, entnahmen die Forscher den verschmähten Vogelmann aus dem Käfig. Dieser bekam dann im Gegensatz zu dem Auserwählten ein Training: Die Forscher brachten diesem Vogelmann bei, wie er einen recht komplizierten Mechanismus öffnen kann, um an Futter zu gelangen: Der Vogel muss dabei zwei Klappen öffnen und eine Schublade herausziehen.





