Text: Kurt de Swaaf
Der Reichtum war einst schier unermesslich. Jedes Jahr schwammen riesige Fischschwärme vom Meer kommend Europas Ströme hinauf – tonnenweise Lachse, Meerforellen, Maifische, Neunaugen, Störe, Stinte und Schnäpel. Ein schuppiger Segen, der vielen unversiegbar schien. Sie irrten sich. Zuerst dezimierte Überfischung vielerorts die Wanderfische, und später, im 20. Jahrhundert, setzte ihnen die Wasserverschmutzung enorm zu. Giftige Fluten zerstörten ganze Populationen, doch die waren oft vorher schon zu kläglichen Resten zusammengeschrumpft. Denn Überfischung und Abwässer wirkten häufig Hand in Hand mit einem dritten Schadfaktor: der fortschreitenden Verbauung von Fließgewässern. Immer mehr Wehre und Dämme versperrten den
Fischen den Weg stromaufwärts zu ihren Laichplätzen. Die Fortpflanzung fiel aus, die Bestände kollabierten.





