Auch einige Tiere haben eine bevorzugte Seite. Es gibt Links- und Rechtschnäbler, -treter, -äuger und -rüssler. Wie bei uns Menschen dominiert bei tierischen Linkshändern die rechte Gehirnhälfte die Motorik, bei Rechtshändern die linke. Aber: Bei Tieren ist die Händigkeit ausgeglichener verteilt. Es gibt hier keineswegs mehr Rechts- als Linkshänder.
Selbst unsere nächsten Verwandten, die Menschenaffen, unterscheiden sich von uns Menschen in unserer Motorik. So haben Forscher in Tansania festgestellt, dass die Mehrzahl von Schimpansen linkshändig ist. Ein Team von Biologen beobachtete die Tiere vier Jahre lang beim Termitenangeln. Da die Schimpansen mit ihren Händen keine der Riesenameisen aus ihrem Bau herausklauben können, angeln sie mit Hilfe eines Stocks nach ihnen. Den Stock halten sie dabei in der linken Hand. Die Forscher beobachteten, dass den Händen anscheinend klare Rollen zukommen. So wird vermutlich die linke Hand für die feinmotorische und die rechte für grobe Arbeiten benutzt.
In Zoos dagegen legen Schimpansen ein völlig anderes Verhalten an den Tag. Viele dieser Menschenaffen in Gefangenschaft sind Rechtshänder. Forscher nehmen an, dass dies kein normales Verhalten ist. Sie argumentierten, die Tiere hätten sich diese Vorliebe vermutlich von ihren meist rechtshändigen Pflegern abgeschaut. Affen und andere Gruppentiere orientieren sich bei Verhaltensweisen sehr stark am Vorbild der Leittiere oder in diesem Fall des Pflegers.
Lange hatten Wissenschaftler angenommen, dass nur Tiere mit zwei Beinen, Armen oder Flügeln eine Seitenpräferenz zeigen. Eine Biologin konnte jedoch beweisen, dass Elefanten zwar keine Rechts- oder Linksfüßer, wohl aber Rechts- oder Linksrüssler sind. Ihren Untersuchungen zufolge benutzen die Tiere ihren Rüssel nicht etwa beliebig – beim Grasen oder Greifen drehen sie ihn entweder nach rechts oder links ein.
Je nach Beschäftigung ist die Seitenvorliebe der Tiere unterschiedlich ausgeprägt. Will ein Elefant beispielsweise einen Gegenstand heranholen, ist es ihm gleich, ob er dabei den Rüssel nach links oder nach rechts einrollt. Geht es aber ums Ausreißen von Grasbüscheln, zeigt sich deutlich eine Seitenpräferenz. Denn: Diese Präzisionsarbeit verlangt besondere Konzentration. Die Forscher beobachteten, dass Elefanten, die ihren Rüssel beim Grasen immer in dieselbe Richtung einrollen, viel schneller Grasbüschel rupfen können als beidseitig begabte Artgenossen. Bei den einseitig grasenden Tieren findet die Bewegungskoordination des Rüssels in der gleichen Gehirnhälfte statt, so dass das Gehirn sich an die Aufgabe gewöhnt. Beidseitig grasende Elefanten hingegen wechseln ständig ihre aktive Hirnhälfte und können deswegen den Bewegungsablauf nicht perfektionieren – ein Nachteil in der Evolution.





