Nicht nur die Nahrung, sondern auch Läuse und andere Vogelparasiten haben im Lauf der Evolution die Form des Vogelschnabels maßgeblich beeinflusst. Das konnten amerikanische Forscher bei Versuchen mit Felsentauben nachweisen: Der überhängende obere Teil ihres Schnabels bringt den Tauben im Kampf gegen Parasiten große Vorteile, während die Nahrungsaufnahme kaum von der Schnabelform beeinflusst wird.
Für ihre Studie untersuchten die Wissenschaftler Felsentauben (Columba livia) und zwei Laus-Arten, die Federn und abgestorbene Hautschuppen der Vögel fressen. Ein geschädigtes Federkleid reduziert den Fortpflanzungserfolg und die Fähigkeit zur Thermoregulation der Vögel. Daher ist es für die Tauben sehr wichtig, sich die Läuse vom Leib zu halten: Putzen sie mit dem Schnabel, bei dem der Oberkiefer etwas über den Unterkiefer hinausragt, ihr Federkleid, werden die Parasiten zwischen den Kiefern eingeklemmt und verletzt.
Die Forscher stutzten in ihrer Studie einigen Vögeln den Oberkiefer, um zu testen, ob die Schnabelform die Effizienz des Putzens und der Futteraufnahme beeinflusst. Je besser die Vögel ihr Gefieder putzen können, desto weniger Läuse sind vorhanden und desto kleiner ist der Gefiederschaden. Die Forscher stellten fest, dass Vögel mit einem gestutzten Schnabel mehr als doppelt so viele Läuse und damit auch ein deutlich schlechteres Federkleid hatten als Vögel mit einem überhängenden Oberkiefer. Die Effizienz der Nahrungsaufnahme wird jedoch nicht durch das Stutzen des Schnabels beeinflusst. Beim Putzen bewegt sich der Unterkiefer bis zu 31 Mal pro Sekunde gegen den Oberkiefer. Diese Mahlbewegung verletzt die Parasiten: Ihnen werden Beine oder der Kopf ausgerissen und das Außenskelett wird beschädigt.
Im Lauf der Jahrtausende setzten sich bei den Tauben Schnäbel durch, deren Oberkiefer im Schnitt 1,6 Millimeter über den Unterkiefer hinausragt. Würde der Oberkiefer weniger weit vorstehen, könnten sich die Tauben schlechter gegen Parasiten wehren, schreiben die Forscher. Ragt der Oberkiefer hingegen zu weit über den Unterkiefer hinaus, bricht er ab und die Putzeffizienz der Vögel wird verringert. Ob und wie ein überhängender Oberkiefer bei anderen Vogelarten eine Rolle in der Parasitenabwehr spielt, ist noch nicht klar. Spechte, Kolibris und Reiher zum Beispiel haben keinen überhängenden Oberkiefer. Sie müssen andere Abwehrstrategien gegen Parasiten entwickelt haben.
Dale Clayton ( Universität von Utah, Salt Lake City) et al: Proceedings of the Royal Society: Biological Sciences, Online-Vorabveröffentlichung, DOI:10,1098/rspb.2004.3036
ddp/wissenschaft.de ? Katharina Schöbi





