Ob Waldrodungen, Stadtwachstum oder intensivere Landwirtschaft – der Mensch verändert die Natur der irdischen Landflächen ständig. Mit enormen Folgen: So beschleunigt etwa eine intensive Landwirtschaft die Bodenerosion, so dass fruchtbare Erde verloren geht, die landwirtschaftliche Produktivität verringert und die globale Ernährung gefährdet wird. Zudem geben die Böden von Äckern im Gegensatz zu Waldböden mehr Kohlendioxid an die Atmosphäre ab und gleichzeitig sinkt der Gehalt des in ihnen gespeicherten Kohlenstoffs, sodass der Klimawandel beschleunigt wird. Zusätzlich verändert die Landnutzung viele Lebensräume bereits so, dass die Artenvielfalt der Ökosysteme bedroht ist.
Wie groß sind die Landnutzungsveränderungen?
Aber wie groß sind die globalen Landnutzungsveränderungen aktuell? Das haben Wissenschaftler um Karina Winkler vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) nun genau untersucht. Bislang waren Studien zu diesen Veränderungen meist räumlich oder zeitlich eingeschränkt. Deshalb kombinierte das Forscherteam nun die Ergebnisse von Landnutzungsstatistiken mit hochaufgelösten Satellitendaten, wobei Änderungen von Stadtflächen, Acker- und Weideland, Wald, bewirtschaftetem Gras-Strauchland sowie von Flächen mit spärlicher und keiner Vegetation betrachtet wurden. „Die Schwierigkeit bei unserer Arbeit liegt vor allem im Umgang mit sehr unterschiedlichen Datensätzen“, erläutert Winkler. Sie müssen erst aufwändig vereinheitlicht werden. Den Forschern gelang dies und sie erstellten aus dem Muster der globalen Landnutzungsveränderungen zwischen 1960 und 2019 einen hoch aufgelösten Kartensatz, den „Historic Land Dynamics Assessment +“ (HILDA +).
Das Ergebnis: Die Landnutzungsänderungen sind offenbar größer als bisher angenommen. Der neuen Kartierung zufolge waren in den letzten rund 60 Jahren etwa rund 32 Prozent der globalen Landfläche betroffen – rund 43 Millionen Quadratkilometer. „Wir schätzen, dass der Landnutzungswandel in nur sechs Jahrzehnten fast ein Drittel der globalen Landfläche betroffen hat und damit etwa viermal so groß ist wie die bisher geschätzte Ausdehnung von langfristigen Landveränderungen“, berichten die Wissenschaftler. Damit wird seit 1960 jedes Jahr durchschnittlich eine Landfläche von etwa der doppelten Größe Deutschlands verändert.
In Europa weniger, in Asien mehr
Neu sind vor allem die deutlichen Veränderungen von Wald- und Ackerflächen. „Wir stellen einen globalen Nettoverlust an Waldfläche von 0,8 Millionen Quadratkilometern, aber eine Ausdehnung der globalen Landwirtschaft von einer beziehungsweise 0,9 Millionen Quadratkilometern fest“, erklärt das Team. Dabei zeigen die Landnutzungsänderungen aber nicht überall auf der Welt die gleichen Muster. So konnten die Forscher feststellen, dass vor allem zwischen Regionen im Norden und Süden die Landnutzungsänderungen unterschiedlich ausfallen. Demnach breiteten sich in den letzten Jahren im globalen Norden, zum Beispiel in Europa, den USA oder in Russland, die Wälder aus und die Ackerflächen wurden reduziert. Im globalen Süden, wie unter anderem in Brasilien oder Indonesien, verringerten sich hingegen die Waldflächen und die Acker- sowie Weideflächen wurden größer.





