Der Amazonas ist der mit Abstand wasserreichste Fluss der Erde – er liefert ein Fünftel des gesamten in die Ozeane strömenden Süßwassers. Gemeinsam mit seinen zahlreichen Nebenflüssen reicht sein Einzugsgebiet von der Ostseite der Anden bis an die Küste des Atlantiks. Damit ist dieses Gebiet auch ein wichtiger Akteur im Klimasystem der Erde: “Das Amazonasbecken und seine ausgedehnten Regenwälder bilden eines der bedeutendsten Zentren der tiefen atmosphärischen Zirkulation und des starken Regenfalls auf unserem Planeten”, erklären Jonathan Barichivich von der Universität von Südchile in Valdivia und seine Kollegen. Doch das typisch regenreiche Klima dieser grünen Lunge der Erde beginnt sich zu verändern. “Es gibt zunehmende Hinweise darauf, dass sich der Wasserkreislauf im Amazonasbecken seit den späten 1990er Jahren intensiviert hat, was häufigere hydrologische Extreme verursacht”, so die Forscher. “Vor allem die starken und anhaltenden Dürren der Jahre 2005, 2010 und 2015 im zentralen und südlichen Amazonasgebiet haben die Sorge geweckt, dass ein Trend zu mehr Trockenheit bestehen könnte.”
Fünfmal häufigere Überschwemmungen
Was an diesen Befürchtungen dran ist, haben Barichivich und sein Team nun mithilfe von Pegeldaten am Amazonas und an der Mündung des Rio Negro in den Amazonas im brasilianischen Manaus ermittelt. Für ihre Studie werteten sie die Pegelstände des Rio Negro in der Zeit von 1903 bis 2015 und weiter oben am Amazonas von 1970 bis 2015 aus. Offiziell gilt an der Messtation von Manaus ein Pegelstand ab 29 Metern als Hochwasser und ein Pegel von 18,5 Meter und weniger als Trockenperiode. “Dadurch konnten wir erstmals die langfristigen Veränderungen der hydrologischen Extreme im Amazonasgebiet dokumentieren und quantifizieren”, erklären die Forscher. “Das ermöglicht es auch, die treibenden Mechanismen hinter diesen Entwicklungen zu identifizieren.”
Die Auswertungen ergaben: “Zwar hat die Zunahme von Trockenperioden viel Aufmerksamkeit erhalten, aber was wirklich aus den Langzeit-Pegeldaten heraussticht, ist die zunehmende Häufigkeit und Intensität von Hochwassern”, berichtet Barichivich. “Während der Studienperiode hat sich die Überschwemmungshäufigkeit um das Fünffache erhöht.” Während es Anfang des 20 Jahrhunderts nur durchschnittlich ein Hochwasser alle 20 Jahre gab, ereignet sich seit etwa dem Jahr 2000 eine Überschwemmung etwa alle vier Jahre. Besonders auffallend sei dieser Trend zu mehr Hochwasser seit Anfang der 1970er Jahre, so die Forscher. In jüngster Zeit werden Hochwasser am Amazonas sogar fast schon zur Regel: “Mit nur wenigen Ausnahmen hat es in jedem Jahr von 2009 bis zum Ende unserer Studienzeit 2015 in jedem Jahr extreme Überschwemmungen im Amazonasgebiet gegeben”, sagt Barichivich. Insgesamt habe sich die Frequenz extremer hydrologischer Ereignisse seit 2010 verdoppelt.





