Wie das Eiweiß NOGO das Wachstum von durchgetrennten Rückenmarks-Nervenzellen unterdrückt, haben jetzt Wissenschaftler um Steve Strittmatter von der Yale University entdeckt. Sie fanden auf den Nervenzellen ein Eiweiß, den NOGO-Rezeptor, das an NOGO bindet, berichten sie in der Fachzeitschrift Nature vom 18. Januar. Nun versuchen die Forscher ein Medikament zu entwickeln, dass die Wechselwirkung von NOGO und seinem Rezeptor unterbindet und so allenfalls die Regeneration beschädigter Nervenzellen ermöglicht.
Martin Schwab, Neurowissenschaftler an der Universität Zürich und einer der Entdecker des Gens für NOGO, hält diese Forschungsergebnisse für den ersten Schritt, um zu verstehen, wie NOGO das Neuronenwachstum bremst. Dennoch warnt er vor übereilten Erwartungen. “Einen Querschnittsgelähmten in jemanden zu verwandeln, der sich normal fortbewegen kann, ist ein Wunsch, der vielleicht niemals erreicht wird.” Allerdings können einige Querschnittsgelähmte nicht einmal selbständig atmen oder sprechen. Diese Fähigkeiten wieder zu erlangen wäre nach Schwab schon ein enormer Erfolg.
Nervenzellen treten über Axone, den langen Auswüchsen von Nervenzellen, mit anderen Zellen in Kontakt. Wenn Axone im Gehirn oder im Rückenmark beschädigt werden, verhindern Moleküle wie NOGO, dass die Nervenzellen neue Verbindungen ausbauen und die Verletzungen behoben werden – eine Behinderung oder Lähmung ist die Folge.
Obwohl dies vernichtende Konsequenzen für betroffene Menschen hat, scheint dieses Merkmal der Nervenzellen im Gehirn und Rückenmark wichtig für gesunde Menschen. “Sobald das Gehirn nach der Entwicklung fertig und richtig strukturiert ist, sollte es sich auch nicht mehr zu viel umorganisieren,” spekuliert Strittmatter.
Nicole Waschke





