Mäuse mit einem an- und ausschaltbaren Supergedächtnis haben Gentechniker um den bekannten Neurobiologen Eric Kandel kreiert. Das Forscherteam hat in das Gehirn der Tiere ein zusätzliches Gen eingebracht. Mit Hilfe des Antibiotikums Doxycyclin können sie das Gen gezielt aktivieren und deaktivieren. Arbeitet das Gen, erlernen die Nager schneller ein Labyrinth und erinnern sich besser an eine unter Wasser versteckte Plattform, schreibt die Wissenschaftler im Fachjournal “The Lancet”.
Das fremde Gen hemmt im Hippokampus der Tiere ein Enzym mit dem Namen Calcineurin. Der Hippokampus liegt unterhalb der Schläfenlappen und ist der Ort im Gehirn, an dem sich neue Gedächtnisinhalte bilden. Dazu müssen im Gehirn Phosphate an Schlüssel-Eiweiße gebunden werden. Calcineurin entfernt jedoch die Phosphate wieder und erschwert dadurch offenbar die Gedächtnisbildung. Diese Erschwernis entfällt, wenn das artfremde Gen Calcineurin blockiert, erklären die Forscher.
Normalerweise denke man beim Lernen nur an gedächtnisfördernde Prozesse im Gehirn, so Kandel. “In dieser Arbeit haben wir das erste Mal direkte Hinweise auf eine blockierende Schwelle im Säugetier-Hirn gefunden.” Durch Blockaden schütze sich das Gedächtnis offenbar vor unwichtigen Inhalten.
Andreas Wawrzinek





