Das Leben in der Stadt verändert nicht nur Menschen, belegt eine Studie: Männchen einer amerikanischen Froschart betören ihre Damen im urbanen Milieu offenbar durch mehr Sangeskunst als auf dem Land. Sie verzieren ihre Rufe dort durch ein Extra-Tremolo, das Experimenten zufolge besonders attraktiv auf die Weibchen wirkt. Die Forscher konnten zudem dokumentieren, was hinter dem urbanen Effekt steckt: Die Froschmännchen können sich in der Stadt den anziehenden Ruf schlicht eher leisten, weil es dort vergleichsweise wenige Feinde gibt.
Beeindruckendes Aussehen, elegante Balzbewegungen aber auch attraktive Töne gehören zu den Mitteln, mit denen die Männchen vieler Tierarten um die Gunst ihrer Weibchen kämpfen. Der in Mittel- und Südamerika beheimatete Tungara-Frosch versucht sich in diesem Zusammenhang durch einen Ruf Gehör bei den Damen zu verschaffen, der wie ein synthetischer Alarmton klingt. Dieser „Tungara-Sound“ ist in Zentralamerika vielerorts zu hören, denn die kleinen Amphibien leben dort nicht nur in den Wäldern, sie haben sich sogar Lebensräume im Schatten der städtischen Wolkenkratzer erobert – so auch im Raum von Panama-City.
Ein lautes Fröschchen im Fokus
Ein internationales Forscherteam ist nun der Frage nachgegangen, inwieweit das Stadtleben die prominenten Tungara-Frösche prägt. Im Fokus stand dabei, ob sich ihre Lautkommunikation verändert hat. Es handelt sich damit um einen Beitrag zu einem momentan wichtigen Forschungsfeld in der Biologie, das vor dem Hintergrund der zunehmenden Verstädterung unserer Welt entstanden ist: Einige Forschergruppen untersuchen, wie die besonderen Licht- und Geräuschverhältnisse und die vielen weiteren veränderten Lebensumstände sich auf Tiere in Stadtstrukturen auswirken.
Im Rahmen ihrer Studie haben die Forscher zunächst den Tungara-Fröschen in der Stadt sowie im Wald genau zugehört und die aufgezeichneten Tonstrukturen miteinander verglichen. So zeigte sich: In der Stadt klingen die kleinen Lurche anders als auf dem Land. Es handelt sich dabei nicht etwa um einen subtilen, sondern um einen deutlich hörbaren Unterschied: In der urbanen Kulisse erweitern die Tiere ihren Ruf um ein auffälliges Tremolo, berichten die Forscher. So drängte sich geradezu die nächste Frage auf: Wie empfinden die Froschweibchen diese akustische Ausschmückung?
Urbaner Sex-Appeal
Um dieser Frage nachzugehen, setzten die Forscher die Amphbiendamen in einen Versuchsraum mit zwei verschiedenen Lautsprechern. Aus dem einen ertönte der Ruf eines Wald-Männchens und aus dem anderen der Laut eines Stadtfrosches. Ergebnis: Die Froschdamen im Test hopsten in den meisten Fällen schnurstracks zu dem Lautsprecher, aus dem der Ruf des Stadtfroschs ertönte. Mit anderen Worten: Der urbane Gesangsstil wirkte auf die Weibchen offenbar besonders anziehend.





