Interview: Robin Vornholz
natur: Moos-Graffiti werden als tolle, nachhaltige Alternative zu herkömmlichen Kunstwerken dargestellt. Wie funktionieren sie?
Philip Wallisfurth: In der Regel wird Moos zurechtgeschnitten und an einer Wand oder in einem Rahmen zu einem Kunstwerk zusammengeklebt. Die meisten Moos-Graffiti sind aber tatsächlich gar nicht aus lebendigem Moos, sondern aus konserviertem. Dieses wird erst in Chemikalien eingelegt und dann mit einer speziellen Farbe angesprüht, damit es lange hält und schön grün aussieht.
Moos-Graffiti sind also gar nicht so grün und lebendig, wie sie wirken?
Moos-Graffiti sind inzwischen etwas sehr Kommerzielles und werden viel für Greenwashing genutzt. Mittlerweile gibt es Firmen, die sich darauf spezialisiert haben, komplette Hotellobbys mit Moosbildern auszustatten – aber das ist alles konserviertes und gefärbtes Moos. Es macht nur noch den Anschein, als ob die Pflanzen lebendig wären. Das konservierte Moos ist noch leicht schalldämmend und durch die chemische Behandlung brandhemmend, aber im Endeffekt ist es eine tote Pflanze und kann auch nichts mehr von dem, was Moos eigentlich so toll macht: CO2 binden, in Sauerstoff umwandeln und so die Luft filtern. Dass ein Kunstwerk mehr als nur Kunst sein kann, finde ich gerade das Spannende daran.
Wäre es möglich, solche aufwendigen Kunstwerke auch mit lebendem Moos zu machen?
Man kann natürlich echtes Moos statt konserviertem ankleben. Will man, dass es sicher wächst und grün ist, müsste es mit einer Anlage bewässert werden. Ich habe eine Weile mit BASF an einem Projekt gearbeitet, bei dem es darum ging, ein lebendiges Kunstwerk zu erstellen. Wir haben versucht, Moos auf Platten anzupflanzen, an denen es ohne jedes Zutun wachsen kann. Damit wollten wir die ganze Wand von einem Parkhaus in ein riesiges Moos-Kunstwerk verwandeln. Leider wurde das Projekt wegen Corona und den steigenden Gaspreisen zu Kriegsbeginn zu teuer und schließlich eingestellt. Es hat aber gezeigt, wie aufwendig das teils ist: Die jeweilige Art Moos, der Nährboden, die Umgebung und vieles mehr spielen eine Rolle. Bewässerungsinstallationen in kleinem Maßstab sind allgemein schon kostspielig und von Firmen darum nicht gewollt. Die wollen nur, dass es grün aussieht und lange hält.
Wie stellen Sie Ihre Moos-Graffiti her?





