Viele Kröten schützen sich gegen Fressfeinde, indem sie in ihren Hautdrüsen ein giftiges Sekret produzieren. Diese sogenannten Bufadienolide stören die Herzfunktion und können zum Herztod führen, indem sie eine wichtige Ionenpumpe in der Zellmembran hemmen. Im Laufe der Entwicklungsgeschichte hat die Koevolution von Kröten und ihren Fressfeinden jedoch dazu geführt, dass viele Räuber Resistenzen gegen dieses Gift entwickelt haben. Sie können dadurch die giftigen Kröten verspeisen, ohne zu Schaden zu kommen. Doch solche Anpassungen besitzen in der Regel nur Räuber in den Regionen, in denen schon seit langer Zeit Kröten vorkommen.
Wie gefährdet sind die Fressfeinde der Kröte?
Anders ist dies dort, wo zuvor keine oder nur wenige Kröten vorkamen: “In Australien hat die Einschleppung von Agakröten zu einer tiefgreifenden Störung vieler Ökosysteme geführt, indem wichtige Räuber durch die Krötengifte aus lokalen Nahrungsnetzen entfernt wurden”, erklärt Seniorautor Wolfgang Wüster von der Universität Bangor in Großbritannien. Ähnliches befürchten Biologen nun auch für Madagaskar. Denn dort breitet sich die ursprünglich aus Asien stammende Schwarznarbenkröten (Duttaphrynus melanostictus) immer weiter aus – und auch sie ist hochgiftig.
“Bisher war völlig unklar, ob in Madagaskar heimische Räuber tatsächlich empfindlich für das Krötengift sind. Dies wurde zwar von Naturschützern generell angenommen, aber konkrete Beweise gab es dafür nicht”, sagt Co-Autorin Andolalao Rakotoarison von der Technischen Universität Braunschweig. Um Klarheit zu schaffen, haben die Forscher das Erbgut von 77 auf Madagaskar heimischen Tierarten analysiert, die als Fressfeinde der invasiven Kröten in Frage kommen, darunter vor allem Schlangen, aber auch Echsen, Frösche, Säugetiere und Vögel.
Tödlich für fast alle
Das Ergebnis: Nur eine einzige Tierart, ein Nagetier, besaß bereits eine Resistenz gegen das Krötengift. Alle anderen Spezies zeigten keinerlei Voranpassung oder Schutz gegen die toxischen Bufadienolide. “Unsere Ergebnisse deuten auf eine Anfälligkeit nahezu aller madagassischen Wirbeltier-Räuber hin, die potenziell als Fressfeinde dieser invasiven Kröten in Frage kommen”, berichten die Forscher. Wenn diese Tiere die Kröten fressen, könnte das für sie tödlich sein.
“Das bestätigt die Befürchtungen, dass die Einschleppung von D. melanostictus eine große Gefahr für die Biodiversität Madagaskars darstellt”, so Wüster und sein Team. “Fressfeinde, die häufiger Kröten erbeuten und nicht schnell lernen, sie zu vermeiden, werden wahrscheinlich seltener oder könnten sogar aussterben.” Hinzu kommt, dass die Kaulquappen dieser Krötenart auch endemische Fische und wirbellose Räuber wie Wasserkäfer, Libellenlarven und Krebstiere gefährden könnten. Eine ergänzende Studie soll dies nun klären.





