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Kriminelle Energie gegen die Umwelt
Biologie

Kriminelle Energie gegen die Umwelt

Wie können Verbrechen in Kombination mit der Dreifach-Krise des Verlusts biologischer Vielfalt, der weltweiten Umweltverschmutzung und der Klimakrise unterhalten und schulen? Das mag man sich mit Blick auf Julia Shaws „Green Crime“ fragen. Die Antwort liefert die promovierte Rechtspsychologin auf jeder Seite ihres…
Autor
Alexander Schramm
25. Januar 2026
Lesezeit
2 Minuten
Rubrik
Biologie

Im knackigen Vorwort erläutert Shaw kurz den Begriff Green Crime, der – aus den Sozialwissenschaften kommend – mehr oder weniger synonym für Umweltkriminalität steht. Dieser Ausdruck wird wiederum von Juristen präferiert und ist unter anderem vom Europäischen Parlament klar definiert. Es folgen sechs kurzweilige und intensive Kapitel, die sich teils wie ein Thriller lesen, gepaart mit Fakten und Zahlen zur Umweltgeschichte und Umweltzerstörung. In jedem Kapitel arbeitet Shaw mit dem von ihr aufgestellten Sechs-Säulen-Modell der Umweltkriminalität: Bequemlichkeit, Straffreiheit, Gier, Rationalisierung, Konformität und Verzweiflung. Diese Faktoren lassen sich auf jede der erwähnten Taten und Täter anwenden: auf Dieselgate, die Vernichtung des Amazonas-Regenwaldes und die Ermordung von Umweltschützern und Indigenen, auf Wildererbanden und Händler von Elfenbein und Tieren, Piratenfischer in der Antarktis, auf jene, die in Südafrika illegalen Bergbau fördern und betreiben oder die Verantwortlichen der Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko.

Die Reise, auf die Julia Shaw uns mitnimmt, ist einerseits erschreckend und brutal, etwa wenn es um organisiertes Verbrechen geht, das Elfenbein oder illegales Gold an Kunden verkauft, die sich kaum bewusst machen, welchen Schaden sie anrichten. Korruption und Wegschauen sowie der Gedanke, man helfe den ausgebeuteten Arbeitern, machen vieles möglich. Die Frage nach Schuld und dem Sinn von Strafen wird hier immer wieder gestellt, ohne populistische Antworten zu liefern. Auf der anderen Seite gibt es Lichtblicke und das Buch motiviert, nicht in Hoffnungslosigkeit oder Apathie zu verfallen. Denn ohne jene, die engagiert und unbeirrt auf Missstände hinweisen, Druck ausüben und manch eine Grauzone im Kampf ums Grüne nutzen, würde sich wenig bewegen.

Julia Shaw arbeitet in ihrem Buch deutlich heraus, wie sehr Wahrnehmung und Psychologie in Kombination mit Umwelt-Narrativen bei Staaten und bei Verbrauchern eine Rolle spielen. Ihr Green-Crime-Narrativ jedenfalls verfängt. Alexander Schramm

Julia Shaw:
Green Crime
Ullstein Verlag. 320 S., 24,99 €

Green CrimeKorruptionUmweltverschmutzungUmweltzerstörungWildtierhandel

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