So zeigt die Rossellini etwa im Kostüm eines Hamsterweibchens, dass diese Nager die schwächeren ihrer Nachkommen einfach auffressen, um selbst bei Kräften zu bleiben. Mit ihren Darstellungen kritisiert sie auch Darwins These von der angeborenen Mutterliebe: „Er nahm an, dass es in ihrer Natur läge, sich aufzuopfern. Heutige Wissenschaftler, vor allem weibliche, vermuten nun, dass Darwin vielleicht von der viktorianischen Kultur seiner Zeit beeinflusst war. Dass er einfach annahm, Frauen neigten eher dazu, sich selbst aufzuopfern als Männer. Und wenn Sie sich ansehen, dass manche Tiere tatsächlich ihre Nachkommen essen, merken Sie, dass es eben nicht um Opfer geht sondern um gutes Management.”
Das weiß Isabella Rossellini sicherlich auch aus eigener Erfahrung. Sie hat selbst zwei Kinder großgezogen, ihre 29-jährige Tochter Elektra arbeitet als Model, ihr 19-jähriger Sohn Roberto will einmal Tierfilme drehen.
Seit sieben Jahren befasst sich Isabella Rosselini in ihren Filmen ausschließlich mit dem Leben der Tiere. Das käme daher, sagt sie, dass sie als Biobäuerin am Rand von New York Gemüse und Hühner züchte. Ihr Tiere erheiterten sie und weckten ihr Interesse an der Biologie.
Die Quintessenz ihrer Mutter-Instinkt-Recherchen: Wir befrachten als Menschen „Mutterliebe” mit unseren eigenen romantischen und moralischen Wünschen und Sehnsüchten, die mit Natur oder „natürlich” wenig zu tun haben: „Wenn man sich die Natur anschaut, merkt man, dass es dort alles gibt. Es gibt die ganze Vielfalt, die die Welt so wundervoll macht, wie sie ist. Wenn das Studium der Tierwelt etwas bei mir bewirkt hat, dann hat es mich offener gemacht.”
Im Augenblick arbeitet Multitalent Rossellini mit dem französischen Autor Jean–Claude Carrière zusammen an einem Dialog über Biologie und Vielfalt.
Diesen Sommer soll das Stück fertig sein. Wir von „natur” sind gespannt und werden Sie auf dem Laufenden halten.
Foto: Berlinale 2013





