Über seine südafrikanische Heimat hinaus hat sich der Krallenfrosch (Xenopus laevis) vor allem durch seinen Einsatz als „lebendiger Schwangerschaftstest“ verbreitet. Bis in die 1960er Jahre wurden weiblichen Tieren Urinproben von Frauen gespritzt. Enthielten sie Schwangerschaftshormone, produzierten die Frösche anschließend innerhalb nur eines Tages Eier. Durch diesen Einsatz als Nachweissystem bekam der in Aquarien leicht zu haltende Lurch den Spitznamen Apothekerfrosch. Auch heute ist der bis zu 13 Zentimeter große Krallenfrosch noch ein beliebtes Versuchstier in verschiedenen Forschungsbereichen.
Vom Apothekerfrosch zum problematischen Eroberer
Doch seine Verbreitung außerhalb seiner Heimat Afrika geht mittlerweile weit über die Labore hinaus. Entkommene oder ausgesetzte Krallenfrösche konnten sich in vielen Teilen der Welt in der freien Natur etablieren. In Europa sind vor allem Populationen in Frankreich, Italien und Portugal bekannt. In diesen Ländern richten sie als Nahrungskonkurrenten und Fressfeinde großen Schaden an den dortigen Ökosystemen an. Zudem gilt der Krallenfrosch als Überträger des für viele Amphibien tödlichen Chytridpilzes (Batrachochytrium dendrobatidis), der als eine der Hauptursachen des weltweiten Amphibiensterbens gilt. Der Krallenfrosch ist unempfindlich gegenüber einer Infektion mit dem Erreger. Dadurch kann er ihn besonders intensiv verbreiten.
Doch wie wird es nun weitergehen – inwieweit hat der Krallenfrosch sein Ausbreitungspotenzial in Europa schon ausgeschöpft? Bisherige Prognosen auf der Grundlage von Modellen zur Einschätzung von

Gebieten, die sich durch ihre Bedingungen für eine Ausbreitung eignen, ergaben ein vergleichsweise kleines Potenzial. Doch wie nun aus den Ergebnissen der Forscher um Philipp Ginal vom Zoologischen Forschungsmuseum Koenig in Bonn hervorgeht, wird das Risiko weit unterschätzt. „Mit unserem neuen Ansatz konnten wir durch Laborversuche die kritischen Minimal- und Maximal-, sowie Optimaltemperaturen ermitteln, unter denen der Frosch überleben kann“ erklärt Ginal die neue Vorgehensweise. Sein Kollege Dennis Rödder führt weiter aus: „Durch den innovativen methodischen Ansatz war es sogar möglich, die physiologischen Limits verschiedener Entwicklungsstadien, wie Kaulquappen und erwachsene Frösche, in das Model einzuspeisen, was vorher ebenfalls nicht möglich war“, erklärt der Wissenschaftler.





