Wo einst nur Mond und Sterne sanft leuchteten, machen heute Straßenlaterne und Co die Nacht zum Tage. Wie Studien der letzten Jahre gezeigt haben, kann sich diese sogenannte Lichtverschmutzung stark negativ auf viele Lebewesen auswirken. Vor allem nachtaktive Tiere wie Insekten, Vögel oder Fledermäuse werden von den künstlichen Lichtquellen irritiert. Darüber hinaus kann Lichtverschmutzung die inneren Uhren und „Terminkalender“ von Lebewesen durcheinanderbringen, die sich an Tageslängen oder Mondphasen orientieren. Lange standen dabei die Landlebewesen im Fokus. Doch mittlerweile mehren sich Hinweise darauf, dass auch aquatische Ökosysteme durch einfallendes Kunstlicht gestört werden. Denn im Leben von Lurch, Fisch, Koralle und Co können Lichtverhältnisse ebenfalls eine wichtige Signalfunktion besitzen.
Wie laichen Korallen im unnatürlichen Schimmer?
Zu diesem Wissen tragen nun die Ergebnisse der Forscher um Thomas Davies von der University of Plymouth bei. Die Studie baut auf einer früheren Untersuchung auf, bei der das Team die von der Lichtverschmutzung am stärksten betroffenen Meeresgebiete der Welt kartiert hat. Daraus ging hervor, dass 1,9 Millionen Quadratkilometer küstennaher Wasserfläche bis in eine Tiefe von einem Meter von biologisch relevanten Mengen von künstlicher Lichteinstrahlung betroffen sind. Für ihre aktuelle Studie kombinierten die Forscher diese Daten nun mit Informationen von 2135 Beobachtungen von Massenlaich-Ereignissen in Korallenriffen.
Dabei geben die winzigen Korallenpolypen einer Region normalerweise gleichzeitig ihre Keimzellen ins Wasser ab, damit sich möglichst viele fruchtbare Kontakte im Wasser ergeben können. Durch die Kombination der Daten zur Lichtverschmutzung und den Laich-Beobachtungen konnten die Forscher nun erstmals deutlich zeigen: In Riffbereichen, die nachts biologisch relevanten Mengen an Kunstlicht ausgesetzt sind, laichen die Korallen im Vergleich zu unbelasteten Regionen um ein bis drei Tage verfrüht.
Verfälschte Mondlicht-Signale
Wie die Wissenschaftler erklären, liegt dies daran, dass sich die Nesseltiere am Mondzyklus orientieren. Das Kunstlicht kann dabei die natürlichen Helligkeitsverhältnisse im Zusammenhang mit Sonnenuntergang und Mondaufgang derart verändern, dass ein verfrühtes Signal zum Laichen ausgelöst wird, legen die Ergebnisse nahe. Das Ablaichen in unterschiedlichen Nächten verringert dann die Wahrscheinlichkeit, dass die Koralleneier befruchtet werden und überleben, um neue Pioniere für die Regeneration von Riffen hervorzubringen, erklären die Forscher. “Korallen sind für die Gesundheit der Weltmeere von entscheidender Bedeutung, werden aber durch menschliche Aktivitäten zunehmend geschädigt. Diese Studie verdeutlicht, dass nicht nur die Veränderungen im Ozean Auswirkungen auf die Korallen haben, sondern auch die fortgesetzte Entwicklung der Küstenstädte“, sagt Davies.





