Es ist das große Sorgenthema unserer Zeit: Momentan wird auf der UN-Klimakonferenz COP 25 in Madrid erneut über Maßnahmen zum Klimaschutz debattiert. Wie dringlich die Lage ist, verdeutlichen immer wieder wissenschaftliche Studien. Einige heben dabei den Aspekt hervor, dass die klimatischen Veränderungen eingespielte System in der Natur verändern – mit teils unabsehbaren Folgen. Studien zu den Reaktionen von Pflanzen und Tieren auf den Klimawandel konzentrieren sich dabei bisher häufig auf Veränderungen des geografischen Verbreitungsgebiets von Arten oder auf den Zeitpunkt von Ereignissen wie der Blüte und dem Beginn von Wanderungen. Wie die aktuelle Studie nun verdeutlicht, kann der Klimawandel allerdings noch einen weiteren Aspekt beeinflussen: Körpermerkmale.
Studienbeginn, als der Klimawandel noch kein Thema war
Wie die Forscher der University of Michigan in Ann Arbor und des Field Museums in Chicago berichten, hat ihre Studie tiefe Wurzeln: “Als wir 1978 mit der Erfassung der in dieser Studie analysierten Daten begannen, haben wir uns mit ein paar einfachen Fragen zu jährlichen und saisonalen Schwankungen der Merkmale von Vögeln befasst”, sagt Co-Autor David Willard vom Field Museum. Vom Klimawandel war damals hingegen noch keine Rede. “Die Ergebnisse dieser Studie verdeutlichen somit, wie wichtig langfristige Datensätze für die Identifizierung und Analyse von Trends sind, die durch Veränderungen in unserer Umwelt verursacht werden”, so der Wissenschaftler.
In den letzten 40 Jahren sind er und seine Kollegen kontinuierlich morgens losgezogen, um an großen Glasfassaden in Chicago nach toten Zugvögeln zu suchen, die durch Kollisionen verendet waren. Im Field Museum erfassten sie dann Art und Merkmale der Tiere. Für jeden Vogel maßen sie dabei die Länge des Unterschenkels, die Schnabellänge, Flügellänge und die Körpermasse. Insgesamt erfassten sie so die Daten von 70.000 Individuen aus 52 Spezies. Viele von ihnen sind mit Arten in Europa verwandt.
Nach der Digitalisierung und systematischen Auswertung der Daten zeichnete sich ab: Die Körpergröße hat von 1978 bis 2016 bei allen 52 Arten abgenommen, wobei 49 Arten einen statistisch signifikanten Rückgang aufweisen. Bei ihnen verkürzte sich die Länge des Unterschenkels um durchschnittlich 2,4 Prozent. Interessanterweise nahm im gleichen Zeitraum die Flügellänge bei 40 Arten um 1,3 Prozent zu. Um zu überprüfen, ob diese Effekte mit klimatischen Entwicklungen zusammenhängen, glichen die Forscher ihre Ergebnisse mit Wetteraufzeichnungen ab. Dabei zeigte sich: “Auf Phasen der schnellen Erwärmung folgten Perioden der starken Abnahme der Körpergröße und umgekehrt”, sagt Co-Autor Brian Weeks von der University of Michigan.





