Der Kalifornische Schweinswal (Phocoena sinus) gilt mit einer Länge von 140 bis 150 Zentimetern und einem Gewicht von 55 Kilogramm als kleinster Wal der Welt. Er kommt nur im nördlichen Teil des mexikanischen Golfes von Kalifornien vor. Auf Spanisch trägt er den Spitznamen Vaquita, was so viel wie kleine Kuh bedeutet und unter anderem auf seine charakteristischen dunklen Ringe um Augen und Lippen verweist.
Die Letzten ihrer Art
Doch der niedliche Vaquita hat ein Problem: Er ist nur ein Fingerschnippen vom Aussterben entfernt, wie die Internationale Walfangkommission (IWC) jetzt offiziell bestätigt. Demnach sind von den kleinen Walen nur noch neun oder zehn Tiere übrig, was den Fortbestand der Art massiv gefährdet. Die Kommission berichtet, dass die Bestände seit dem Jahr 1997 um 98 Prozent eingebrochen sind. Damals schwammen noch rund 570 Tiere durch den Golf von Kalifornien, 2015 war ihre Zahl bereits auf 59 gesunken und seit 2018 zählen Forschende die besagten neun bis zehn verbliebenen Individuen.
Der Grund für den Rückgang der Vaquitas ist ebenfalls bekannt: Sie bleiben als Beifang in sogenannten Kiemennetzen hängen. Diese Netze werden von illegalen Fischern ausgebracht, die vor Mexiko den Totoaba fangen, einen streng geschützten Fisch von der Größe des Vaquita. Seine Schwimmblase ist in Asien als Delikatesse und Zutat für traditionelle Medizin begehrt und bringt auf dem Schwarzmarkt Zehntausende US-Dollar ein. Da die Maschen der senkrecht im Wasser stehenden Kiemennetze perfekt auf die Größe des Totoaba abgestimmt sind, bleiben auch die gleichgroßen Vaquitas immer wieder darin stecken. Sie verheddern sich und ersticken. „Eine doppelte Artenschutztragödie“, wie es die Meeresschutzorganisation OceanCare formuliert.
Sofortige Schutzmaßnahmen gefordert
Das Problem ist schon seit mehreren Jahrzehnten bekannt. Bereits im Jahr 1990 hatte der Wissenschaftliche Ausschuss der IWC zum ersten Mal seine Besorgnis über den Beifang von Vaquitas in Kiemennetzen geäußert. Doch die damals von ihm empfohlene Maßnahme – das Ende der Totoaba-Fischerei – lässt sich aufgrund der kriminellen Natur dieses Fischfangs nur schwer umsetzen. Alternativ wäre den Vaquitas auch schon geholfen, wenn wenigstens die Kiemennetze durch andere, für den kleinen Wal sichere Fangmethoden ersetzen würden, doch auch in dieser Hinsicht hat sich in all den Jahren kaum etwas getan.
Nach wiederholten, folgenlosen Warnungen versucht die Walfangkommission es nun mit dem ersten „Aussterbe-Alarm“ ihrer Geschichte und hofft, so international auf das Problem aufmerksam machen zu können. „Das Aussterben des Vaquita ist unvermeidlich, wenn nicht sofort 100 Prozent der Kiemennetze durch alternative Fanggeräte ersetzt werden. Wenn dies nicht jetzt geschieht, wird es zu spät sein“, heißt es in der Stellungnahme der IWC. Werden die empfohlenen Maßnahmen allerdings mit sofortiger Wirkung umgesetzt, könnte es zumindest noch eine kleine Chance für den Fortbestand des Vaquita geben.





