El Nino erwärmt Westen Südamerikas
In 10 bis 15 Jahren könnten die kleineren Gletscher der südamerikanischen Anden vollständig verschwunden sein, befürchten Wissenschaftler vom Forschungsinstitut IRD (Institut de recherche pour le développment) in Paris. Bereits sind einige Gletscher deutlich geschrumpft. Die Ursache dafür sei das Klimaphänomen El Nino, das in den letzten 20 Jahren immer häufiger und intensiver aufgetreten sei, vermuten die Forscher.
Zusammen mit bolivianischen und ecuadorianischen Kollegen haben die französischen Wissenschaftler zwei Gletscher in den Anden untersucht. Der Chacaltaya-Gletscher in Bolivien liegt in einer Höhe zwischen 5125 und 5375 Meter, der Antizana-Gletscher in Ecuador reicht bis auf 5760 Meter. Beide bedecken eine Fläche von weniger als einem Quadratkilometer, was typisch ist für viele kleinere Gletscher in den Anden.
40 Prozent seiner Dicke und zwei Drittel seines Volumens hat Chacaltaya in den 90er Jahren eingebüßt. In den fünf Jahren nach 1992 hat seine Oberfläche um mehr als 40 Prozent abgenommen. Rechnet man diesen Trend in die Zukunft weiter, dann wird Chacaltaya in 10 bis 15 Jahren verschwunden sein. Auch Antizana ist dann nur noch ganz klein.
Die Gletscher würden immer schneller schmelzen, sagen die Forscher. In den 90er Jahren schrumpften die Anden-Gletscher drei- bis fünfmal rasanter als im vorangegangenen Jahrzehnt. Frühere Studien an Gletschern in Peru zeigten, dass sich das Schrumpfen der Gletscher bereits Anfang der achtziger Jahre beschleunigt hat.
In einer detaillierten Analyse konnten die Forscher nachweisen, dass die Gletscher vorwiegend in den Jahren schmelzen, in denen das Klimaphänomen El Nino aktiv ist. El Nino lenkt warme Meeresströme an die Westküste Südamerikas. In den neunziger Jahren gab es drei El-Nino-Ereignisse, die exakt mit den Schmelzperioden der Gletscher übereinstimmen. Auch die Steigerung der Intensität und Häufigkeit von El Nino, wahrscheinlich bedingt durch die Klimaerwärmung, fällt mit einer verstärkten Gletscherschmelze zusammen.
ddp, Axel Tillemans





