Interview: Steve Przybilla
natur: Frau Professor Dlabaja, ist nachhaltiger Tourismus in einer Großstadt überhaupt möglich?
Cornelia Dlabaja: Im Prinzip schon, zumindest dann, wenn man beispielsweise das Verkehrssystem mitdenkt. Ein entscheidender Faktor ist, wie die Menschen in die Städte kommen und wie sie sich fortbewegen, wenn sie einmal da sind. In Wien etwa funktioniert das sehr gut. Der öffentliche Nahverkehr ist hochfrequent, alle Orte sind gut erreichbar und das Verkehrsleitsystem ist so aufgebaut, dass es auch Gäste verstehen.
Damit sind die Probleme von Übertourismus aber noch nicht gelöst.
Stimmt. Noch wichtiger ist der Wohnungsmarkt. Gerade in Städten, die in den Rankings ganz oben stehen, gibt es massive Probleme. Das sehen wir an Metropolen wie Barcelona oder Lissabon, in denen immer wieder Proteste aufflammen. Es muss klare Regeln geben, und diese Regeln müssen auch kontrolliert werden. Auch eine gute Kommunikation zwischen DMOs (Destination Management Organisationen, also Tourismusverbände) und anderen Playern kann helfen. Wie groß dürfen Tourismusgruppen sein? Welche Routen für die Gruppen gibt es? Wenn es für solche Dinge klare Richtlinien gibt, ist das nachhaltiger als ein Hinweisschild, das Restaurantbesuche in Badehose verbietet.
Von Negativbeispielen hört man immer wieder. Gibt es auch Städte, die es richtig machen?
Ja, sicher. In Nordeuropa sind viele DMOs schon deutlich weiter als in anderen Regionen. Sie bemühen sich darum, dass die Besucherinnen und Besucher nicht nur von den „places to be“ Fotos machen, sondern vor Ort etwas zur lokalen Ökonomie beitragen, sich an Kunst und Kultur erfreuen oder an Workshops teilnehmen. „Travel like a local“ (Reise wie ein Einheimischer) lautet das Motto, das Städte wie Rotterdam oder Amsterdam erfolgreich umsetzen.
Fällt ein Projekt wie CopenPay, bei dem Urlauber für nachhaltiges Verhalten belohnt werden, auch darunter?
Natürlich ist das eine clevere Marketingmaßnahme, aber sie fundiert auf der Theorie des regenerativen Tourismus. Sie besagt, dass man eine Destination in einem besseren Zustand verlässt als in dem, in dem man sie vorgefunden hat. So etwas kennen wir aus Rotterdam, wo ebenfalls Müll in den Kanälen gesammelt wird. Der regenerative Tourismus kann ein Teil der Lösung sein – ein Beispiel, wie wir es in Zeiten des Klimawandels und des Artensterbens besser machen können. Warum also nicht?!





