Manche Dinoflagellaten, von denen einige Arten auch als “Killeralgen” bezeichnet werden, fressen Fischen bei lebendigem Leibe die Haut vom Fleisch. Das widerspricht der bislang vorherrschenden Ansicht, dass die Mikroalgen Fische mit einem von ihnen produzierten Toxin töten, wenn sie in großen Mengen vorkommen. Über dieses überraschende Ergebnis berichten amerikanische Biologen in Vorabveröffentlichungen in den Fachzeitschriften Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) und Nature.
Das Team um Robert Gawley von der University of Miami versuchte, das vermeintliche Toxin zu isolieren, das die Dinoflagellaten produzieren sollen. Sie züchteten die Mikroalge Pfiesteria shumwayae, zentrifugierten das Wasser, in dem die Mikroalgen gelebt hatten und hofften, darin das Gift zu finden. Das Wasser allein erwies sich aber als nicht giftig für Fische. Wasser, das lebende Dinoflagellaten enthielt, tötete Fische dagegen sehr schnell.
Auch bei Untersuchungen des Genoms fanden die Forscher keine Gensequenzen, die einen Code für Enzyme enthalten könnten, wie sie etwa giftige Algen produzieren. Dinoflagellaten töten Fische vermutlich durch andere Mechanismen, schreiben Gawley und seine Kollegen in einer Vorabpublikation von PNAS.
Wie sie das tun, fanden derweil Forscher um Wolfgang Vogelbein vom Viginia Institute of Marine Science heraus: Sie hatten untersucht, wie Exemplare von Pfiesteria shumwayae auf Fische wirken. Dabei stellten die Biologen wie ihre Kollegen zuvor fest, dass die Fische nur dann starben, wenn sie in direkten Kontakt mit den Dinoflagellaten gerieten. Trennte eine Membran die verschiedenen Lebewesen oder gaben die Forscher lediglich Wasser, aus sie dem die Mikroalgen entfernt hatten, zu dem Fischen, überlebten die Tiere.
Vogelbein und seine Kollegen konnten unter anderem mit elektronenmikroskopischen Aufnahmen zeigen, dass die Dinoflagellaten den Fisch umschwärmen, sich an die Haut anheften, anfangen zu fressen und damit dem Fisch die Haut rasch entfernen. Über ihre Versuche berichten sie in Nature (Vorabveröffentlichung).
Cornelia Pfaff





