Für die Ausbeutung des Dornhais gibt es einen klaren Indikator, der jeden Käufer aber auch Verkäufer an der Fischtheke zum Nachdenken bewegen sollte. Denn Wissenschaftler verzeichnen immer kleinere Exemplare, die in den Netzen der Fischer landen. Das ist ein Zeichen für den Rückgang geschlechtsreifer Tiere. Schillerlocken, für die früher ein Bauchlappen des Dornhais einzeln geräuchert wurde, sind inzwischen häufig paarweise verdreht, um das geringere Gewicht zu kompensieren und die gängige Verkaufsgröße zu erreichen. Verantwortungsbewussten Fischhändlern sollte spätestens dieses pikante Detail zu denken geben. Doch das ist nicht immer der Fall.
Während beispielsweise “Nordsee” inzwischen komplett auf den Verkauf von Dornhai verzichtet, hat ihn “Karstadt” immer noch im Programm. Hier stößt auch die persönliche Nachfrage bei Verkäufern auf taube Ohren: Solange der Kunde es kauft, landet es auch in der Theke, so die sonore Antwort auf die Frage, wie man den Verkauf einer bedrohten Fischart vertreten könne.
Die Nachfrage in der EU ist so groß, dass Dornhai in europäischen Fanggewässern inzwischen akut vom Aussterben bedroht ist, weshalb in der EU bereits eine Nullquote für den Fang von Dornhai besteht. Größter Importeur für den Dornhai weltweit bleibt dennoch – dank Deutschland und England – die EU. Infolge des EU-weiten Fangverbots wurde die Dornhaifischerei lediglich in den Nordwestpazifik verlagert. Zum Teil versehen mit einem Nachhaltigkeitssiegel des MSC, wittert die Fischereiindustrie hier ein florierendes Geschäft mit den Abnehmern in Deutschland und Großbritannien. Dabei setzen die geschäftstüchtigen Fischereien in Kanada und den USA darauf, auch mit „Resteverwertung“ Geld zu verdienen: Die Flossen des Dornhais, lange Zeit aufgrund ihrer geringen Größe für den Handel völlig uninteressant, landen nun vermehrt als Suppeneinlage in asiatischen Spezialitätenrestaurants.
Eine Tendenz, die dem Dornhai zum Verhängnis werden könnte. Kürzlich machte eine vermeintliche Erfolgsmeldung aus New York in der Haischutzszene die Runde: Bis Sommer 2014 soll ganz New York frei von Haifischflossen sein. Denn die vor allem in asiatischen Ländern beliebte Haifischflossensuppe hat die Bestände vieler Arten in den letzten Jahren maßgeblich reduziert. Hinzu kommt die grausame Praxis des Finnings: Bei lebendigem Leib werden die Flossen der Haie direkt an Bord der Fangschiffe abgeschnitten – um die Körper zurück ins Meer zu werfen. Ein qualvoller Tod, der Stunden oder auch Tage andauern kann.
All dies soll es in New York ab Juli 2014 nicht mehr geben – doch das stimmt nicht ganz. Denn die Fischereilobby vor Ort hat sich eine Ausnahme auserkoren: Dornhai. Es ist zu erwarten, dass seine Flossen ab kommendem Jahr gehäuft in den Spezialitätenrestaurants zu finden sind. Anstatt der Nachfrage an Haifischflossen tatsächlich einen Riegel vorzuschieben, verlagert sich der Markt letztendlich nur auf eine unbekanntere Art.





