Die Übertragung von Nervenzellen aus einer Laborkultur in das Gehirn von Patienten ist wahrscheinlich nicht mit einem erhöhten Krebsrisiko verbunden. Das hat die Untersuchung des Gehirns eines verstorbenen Schlaganfall-Patienten ergeben, dem vor zwei Jahren menschliche Nervenzellen implantiert worden waren. Die implantierten Zellen sind unbegrenzt teilungsfähig. Deshalb bestand die Befürchtung, dass aus ihnen Krebstumore entstehen könnten. Wie die Wissenschaftler der University of Pennsylvania im American Journal of Pathology mitteilen, stellen die von ihnen verwendeten Zellen eine Alternative zu embryonalen Stammzellen bei der Behandlung von Gehirnerkrankungen dar.
Unsere Ergebnisse zeigen, dass die implantierten Neuronen mehr als zwei Jahre überlebt haben, ohne dem Patienten irgendeinen Schaden zuzufügen, sagt der leitende Wissenschaftler John Trojanowski. Vor 27 Monaten hatten er und seine Mitarbeiter menschliche Nervenzellen in die geschädigten Gehirnteile von zwölf Schlaganfallpatienten eingepflanzt. Bei den Zellen handelte es sich um eine aus embryonalen Krebszellen hervorgegangene Kultur von unbegrenzt teilungsfähigen, aber nicht mehr krebsartigen Nervenzellen.
Die Forscher untersuchen seit über zehn Jahren, ob diese so genannten hNT-Neuronen zur Regeneration von zerstörtem Gehirngewebe eingesetzt werden können. Für sechs der Patienten hatte die Behandlung eine deutliche Besserung ihres Zustandes gebracht. Bei einem jetzt an einem Herzinfarkt verstorbenen Teilnehmer der Studie konnten die Forscher an der Implantationsstelle keine krebsartigen Zellen oder andere schädlichen Folgen des Eingriffs nachweisen.
“Verpflanzte hNT-Zellen zeigen eine vielversprechende Fähigkeit, die Schäden eines Schlaganfalls wieder auszubessern”, kommentiert Trojanowski die bisherigen Therapieergebnisse. Die hNT-Neuronen stellen, so Trojanowski, eine ethisch unbedenkliche und relativ preiswerte Alternative zu embryonalen Stammzellen dar. Sie lassen sich in großen Mengen herstellen und eingefroren lagern.
Joachim Czichos





