Schutzgebiete bilden heute die Basis von Naturschutzgebieten weltweit. Denn sie sollen für bedrohten Pflanzen und Tiere Refugien vor der anhaltenden Zerstörung ihrer Lebensräume und anderer destruktiver Einflüsse sein. “Wir wissen, dass Schutzgebiete funktionieren, wenn sie gut finanziert, gut verwaltet und an den richten Stellen platziert sind”, erklärt Seniorautor James Watson von der University of Queensland und der Wildlife Conservation Society (WCS). “Dann sind solche Gebiete extrem effektiv darin, die Bedrohungen aufzuhalten, die den Artenverlust verursachen. Sie können sogar Arten vom Rand des Aussterbens zurückholen.” Auf den ersten Blick ist die Entwicklung der Schutzgebiete daher sogar eine Erfolgsgeschichte: Seit dem Erdgipfel von Rio de Janeiro im Jahr 1992 hat sich die geschützte Landfläche weltweit fast verdoppelt, wie die Forscher berichten. Sie macht heute 14,7 Prozent der Landfläche aus.
Menschliche Störeinflüsse fast überall
Doch Naturschutzgebiet ist nicht gleich Naturschutzgebiet: Einige stehen unter strengstem Schutz und dürfen nicht betreten werden, in anderen Schutzgebieten sind bestimmte menschliche Eingriffe und sogar die Entnahme von Ressourcen in Teilen erlaubt. Ob diese Gebiete ihren Zweck erfüllen können und wie groß der Druck durch menschliche Einflüsse in diesen Arealen tatsächlich ist, haben Watson und sein Team nun erstmals genauer untersucht. Für ihre Studie untersuchten sie den menschlichen “Fußabdruck” in 50.000 Naturschutzgebieten weltweit. Dafür werteten sie Daten zu Bebauung, Straßen, Schienenwegen und Schifffahrt aus, aber auch den Grad der landwirtschaftlichen Nutzung sowie die Bevölkerungsdichte und die Lichtverschmutzung aus. “Die Präsenz dieser Stressfaktoren ist direkt mit Belastungen und Verlusten der Biodiversität verknüpft”, erklären die Forscher.

Ihre Auswertung ergab: Der größte Teil der Naturschutzgebiete weltweit ist durch menschliche Einflüsse belastet. “Mehr als 90 Prozent der geschützten Regionen, wie Nationalparks oder Naturschutzgebiete, zeigte Anzeichen für zerstörerische menschliche Aktivitäten”, berichtet Erstautor Kendall Jones von der University of Queensland. Ein Drittel der Schutzgebiete – insgesamt rund sechs Millionen Quadratkilometer – stufen er und seine Kollegen sogar als schwer belastet ein. “In diesen eigentlich für die Erhaltung der Natur reservierten Gebieten haben wir umfangreiche Infrastruktur wie Autobahnen, industrielle Landwirtschaft und sogar ganze Städte gefunden”, so der Forscher. Besonders viele belastete Schutzgebiete liegen ihren Ergebnissen nach in Europa, in Teilen Asiens und Afrikas.





