Naturereignisse wie ein Wirbelsturm, ein Erdbeben oder eine Dürre lassen sich nicht verhindern oder beseitigen – sie sind Teil der Natur. Ob aber ein solches Ereignis eine Katastrophe auslöst, hängt davon ab, welche Auswirkungen es auf die betroffenen Regionen und Gesellschaften hat. Ein Erdbeben in einer menschleeren Wüste beispielsweise ist keine Katastrophe, ebensowenig eine Sturmflut an einer Küste, die gut durch Deiche gesichert ist.
Verwundbarer durch Armut und mangelnde Infrastruktur
“Die Verwundbarkeit eines Landes bestimmt zum großen Teil, ob eine Naturgefahr zur Katastrophe werden kann”, erklärt Jörn Birkmann von der Universität Stuttgart, einer der für den Weltrisikoindex verantwortlichen Wissenschaftler. Dies demonstriert auch der Vergleich des Hurrikans Sandy vor der Ostküste der USA mit dem Taifun Haiyan im Pazifik. Beide Stürme hatten eine sehr hohe Zerstörungskraft. Doch während auf den Philippinen rund 6.400 Menschen starben, waren es in den USA 210 – auch weil in den USA die nötige Infrastruktur und Wirtschaftskraft existiert, um Gebäude stabiler zu bauen und schnell Katastrophenhilfe zu leisten.
Im Weltrisikoindex stuft ein internationales Forscherteam im Auftrag des Bündnis Entwicklung Hilft regelmäßig 171 Länder danach ein, wie anfällig sie gegenüber Naturkatastrophen sind. Bei den 28 Indikatoren wird unter anderem berücksichtigt, wie gut die Infrastruktur ist – beispielsweise die Wasserversorgung, das Gesundheitssystem, die Straßen oder die Stabilität der Gebäude. Außerdem bewerten die Forscher, wie groß der Anteil besonders junger, alter und armer Menschen ist und wie hoch das Bruttoinlandsprodukt des Landes ist. Zusammen mit dem Risiko für bestimmte Naturereignisse wie Stürme, Überschwemmungen oder Dürren ergibt sich daraus die Position im Risikoindex.

Einstufung von 171 Ländern nach dem Weltrisiko-Index 2015 (Grafik: Bündnis Entwicklung Hilft / UN University)
Inselstaaten sind am stärksten gefährdet
Das Ergebnis für 2015: Wie schon in den Vorjahren führt der pazifische Inselstaat Vanuatu die Liste der am meisten gefährdeten Staaten an. Das Atoll in der Südsee ist akut vom Meeresspiegelanstieg bedroht und wird zudem häufig von Wirbelstürmen getroffen. Auffallend auch: Unter den 15 Ländern mit dem höchsten Katastrophenrisiko sind sechs Inselstaaten und neun mit ausgedehnten Küstengebieten.
Im Vorfeld des Weltklimagipfels in Paris unterstreicht dieses Ranking erneut, dass die Folgen des Klimawandels schon jetzt zu spüren sind – und dass es ausgerechnet die am härtesten trifft, die am wenigsten zur Erwärmung beigetragen haben. “Auch noch so weitreichende Strategien zum Katastrophenschutz alleine werden nicht ausreichen, wenn die Staatengemeinschaft sich nicht zu einer mutigen Klimapolitik durchringt, die die Situation der von Katastrophenrisiken am stärksten betroffenen Gruppen und Länder berücksichtigt”, kommentiert Martin Bröckelmann-Simon vom Bündnis-Mitglied Misereor.





