“Die Werbung weckt manchmal übertriebene Erwartungen – sehr tiefe Falten lassen sich aber derzeit leider noch nicht wegcremen”, sagt Martina Kerscher, Dermatologin und Leiterin des Studiengangs Kosmetikwissenschaft an der Universität Hamburg. Gegen die sogenannten mimischen Falten können demnach Anti-Faltencremes kaum etwas ausrichten. Gesichtsbewegungen haben diesen Faltentyp beispielsweise auf der Stirn, an der Nasenwurzel und um die Augen tief in die Haut geprägt. “Das sind allerdings häufig genau die Falten, die viele Menschen am meisten stören”, sagt Kerscher. Die Hoffnung auf den durchschlagenden Effekt einer Antifaltencreme führt in diesem Fall also oft zum enttäuschten Blick in den Spiegel.
Effekte aber keine glatten Wunder
Effektive Hilfe aus dem Cremetöpfchen ist vor allem bei Falten zu erwarten, die entstehen, wenn der Kollagengehalt in der Lederhaut mit fortschreitendem Alter abnimmt, erklärt Kerscher. Kollagen ist ein Eiweißstoff, der in der Haut für Elastizität und Festigkeit sorgt. Hier versucht die Kosmetikforschung mit ihren viele Wirkstoffen den Hebel anzusetzen: “Grundsätzlich ist es durchaus so, dass in einer Reihe von Produkten Wirkstoffe enthalten sind, die auch wissenschaftlich belegte Effekte zeigen” sagt Kerscher.
Dabei werden zwei große Gruppen unterschieden: Die einen nennen die Experten Zellregulatoren, die anderen Antioxidantien. Zu den Antioxidantien gehören Stoffe wie Vitamine, Coenzyme und spezielle Pflanzeninhaltsstoffe. Sie sorgen dafür, dass das Kollagen in der Haut erhalten bleibt und so weniger Falten entstehen, sagt Kerscher. Sie setzen bei einer der Hauptursachen der Hautalterung an: Den freien Radikalen, die durch viele unterschiedliche Faktoren in unserer Haut gebildet werden und sie altern lassen. Neben ihrer zerstörerischen Kraft auf Zellen und Erbsubstanz verstärken sie auch die Bildung der sogenannten Kollagenasen, Eiweißstoffe, die zum Abbau der Kollagenfasern beitragen und damit Falten verursachen. Als Gegenspieler der freien Radikale sollen die Antioxidantien in Anti-Faltencremes somit vor allem einen langfristigen Schutz vor übermäßiger Hautalterung sicherstellen aber auch bei Aufbauprozessen unterstützen.
Während Antioxidantien das Gewebe schützen und den Abbau von Kollagen verhindern, sollen die Zellregulatoren dafür sorgen, dass neues Kollagen gebildet wird. Zu dieser Wirkstoffgruppe gehören unter anderem pflanzliche Wachstumsfaktoren sowie ein Vitamin-A-Verwandter namens Retinol und eine Gruppe von Molekülen, die Polypeptide genannt werden, sagt Kerscher. Das sind kleine Eiweißmoleküle, die in der Haut zum Teil als Signalstoffe wirken. Sie sind gerade noch klein genug, um die Barriere der Haut zu durchdringen. So erreichen sie die Lederhaut und geben dort den kollagenbildenden Zellen ein Signal, mehr Kollagen und Elastin zu produzieren, erklärt Kerscher. Diese Signalpeptide seien auch ein wichtiges Forschungsfeld in der aktuellen Kosmetikforschung.
Die gleichsam von innen aufpolsternde Wirkung von Zellregulatoren sei durchaus effektiv und nachweisbar, wobei auch hier gelte: Grundsätzlich benötigt man, um den Kollagenstoffwechsel zu stimulieren, und Wirkungen zu sehen, einen Zeitraum von etwa 12 Wochen. Je länger ein bestimmter Wirkstoff zum Einsatz kommt, desto besser sind die Effekte, die man dann auch ohne Mikroskop an der Haut erkennen kann, sagt Kerscher.
Wissen über die Ursachen für Hautalterung weisen den Weg
Für Jürgen Lademann, Leiter des Bereichs experimentelle und angewandte Physiologie der Haut an der der Charité in Berlin, liegt der Schlüssel zu schöner Haut in der Vorbeugung von übermäßigen Effekten der Hautalterung: “Vorsicht ist auch beim Thema Hautalterung besser als Nachsicht”, sagt Lademann. Deshalb sei die Erforschung der Ursachen, die zur Faltenbildung führen so wichtig. Untersuchungen seiner Arbeitsgruppe konnten den Zusammenhang zwischen dem Gehalt an antioxidativen Stoffen in der Haut und den Alterungsmerkmalen zeigen. Dabei dient den Forschern der Gehalt an Carotinoiden als Marker für den Gesamtgehalt an Antioxidantien in der Haut. “Je mehr der Radikalfänger in der Haut enthalten sind, desto weniger Falten sind bei Probanden festzustellen”, fasst Lademann das Ergebnis der Untersuchungen zusammen. Deshalb komme diesen Substanzen auch so eine große Bedeutung bei der Entwicklung von Anti-Aging Produkten zu.
Die freien Radikale in der Haut bilden sich vor allem durch Sonnenlicht, übermäßigen Alkoholkonsum, Rauchen, Schlafmangel und Stress, sagt Lademann. Das alles bucht vom Konto der Antioxidantien ab – eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse füllt es dagegen wieder auf. Ein ungesunder Lebenswandel hinterlässt deshalb irgendwann Spuren im Gesicht. “Das lässt sich dann auch nicht mehr wegcremen, höchstens noch eindämmen”, sagt Lademann. Was von innen, über die Ernährung gut tut, könne aber auch von außen helfen: Antioxidantien lassen sich über Cremes der Haut zuführen. In vielen Anti-Falten-Cremes aber auch Sonnenschutzmitteln sind sie deshalb enthalten. Lademann betont auch die zentrale Bedeutung des Lichtschutzes für die Haut. Dabei sei nicht nur das UV-Licht das Problem, sondern auch die Infrarot Strahlung des Sonnenlichts löst die Bildung von freien Radikalen aus. Bestandteile mit entsprechenden Lichtschutzeffekten seien deshalb bereits in viele Kosmetikprodukte integriert. “Bei Menschen, die bewusst mit ihrer Gesundheit umgehen, inklusive einer sinnvollen Pflege über Haut-Cremes, kann man in der Regel die positiven Effekte auch an der Haut erkennen”, resümiert Lademann.
dapd/wissenschaft.de Martin Vieweg





