Weltweit gelten die Pocken als ausgerottet. Eine Pockenimpfung ist seit Jahrzehnten abgeschafft. Nur in zwei Laboratorien in den USA und Russland existieren offiziell noch zwei Stämme des tödlichen Variola-Virus. Aber britische Forscher fanden nun im Erreger der Kamelpocken einen sehr engen Verwandten zu dem Variola-Virus, berichtet das Magazin New Scientist. Da dieser auch bei Kamelen im Iran und Irak weit verbreitet ist, fürchten Experten die Entwicklung einer Pocken-Waffe auf der Basis dieses bisher für den Menschen ungefährlichen Pockenart.
Das Kamelpockenvirus ist der nächste bekannte Verwandte zum Variola-Virus, dem Erreger der Pocken beim Menschen, schreiben Caroline Gubser und Geoffrey L. Smith in der Fachzeitschrift Journal of General Virology (Vol. 83, S. 855). Die Wissenschaftler von der University of Oxford analysierten das Erbgut des Kamelpocken-Virus und fanden nur geringfügige Unterschiede zu den Gensequenzen des Variola-Virus. Besonders in den Regionen, die den Virenwirt, die Infektionseigenschaften und die Wirksamkeit auf das Immunsystem des Wirtes beeinflussen, beobachteten sie große Ähnlichkeiten zwischen diesen beiden so genannten Orthopox-Viren.
Bisher sei allerdings selbst bei Kamelhändlern in diesen Ländern keine Infektion mit Kamelpocken bekannt. Doch könne diese Unempfindlichkeit auch an einer natürlichen Immunisierung im frühen Lebensalter liegen. Ob Erwachsene, die noch nie in Kontakt mit Pockenviren gekommen sind, ebenfalls immun gegen die Kamelpocken sind, sei noch nicht eindeutig geklärt.
Auch berichteten UN-Beobachter bereits 1995, dass der irakische Waffenentwickler mit den Viren der Kamelpocken experimentierten. Heute weis keiner genau, ob diese Forschungen im Irak nicht doch weiter betrieben würden. “Es scheint möglich, aus den Kamelpocken einen für den Menschen tödlichen Erreger zu entwickeln”, meint der russische Pockenforscher Lev Sandakhchiew.
Jan Oliver Löfken





