Reste von Kunststoffen aller Art – überall in den Ozeanen treiben mittlerweile die hässlichen Relikte der Zivilisation und jedes Jahr kommen Millionen Tonnen von Plastikabfällen hinzu. Aus zahlreichen Untersuchungen geht bereits hervor, wie gefährlich die hartnäckigen Kunststoffteile für viele Meerestiere sind. Sie verfangen sich in ihnen oder halten sie für Nahrung. Nach dem Verschlucken können die unverdaulichen Fremdkörper dann auf verschiedene Weise Schaden verursachen. Es ist bereits bekannt, dass eine Gruppe von Meeresstieren davon besonders betroffen ist: Meeresschildkröten verenden häufig an verschluckten Plastikabfällen, geht aus Studien hervor.
Jungtiere im Visier
Doch inwieweit betrifft dies auch schon die Jungtiere? Dieser Frage sind die Wissenschaftler um Emily Duncan von der University of Exeter nachgegangen. Insgesamt untersuchten sie 121 junge Meeresschildkröten verschiedener Arten auf verschluckte Plastikteile. Es handelte sich dabei um Exemplare aus dem Indischen und dem Pazifischen Ozean, die entweder angeschwemmt oder versehentlich von Fischern gefangen worden waren. Ihr Alter reichte von kurz nach dem Schlüpfen bis zu einer Panzergröße von 50 Zentimetern.
Wie das Team berichten, entdeckten sie teilweise hohe Belastungen mit Plastikteilen: “Die Jungtiere enthielten meist Fragmente mit einer Länge von fünf bis zehn Millimetern, und die Partikelgröße nahm mit der Größe der Schildkröten zu“, sagt Duncan. Den Rekord bildetet dabei eine junge Grüne Meeresschildkröte (Chelonia mydas) aus dem Indischen Ozean: In ihr steckten insgesamt 343 Plastikteile. Abgesehen von diesem Rekord scheint aber unterm Strich die Belastung im Pazifik schlimmer zu sein. Beispielsweise fanden die Wissenschaftler dort in 86 Prozent der untersuchten Unechten Karettschildkröten (Caretta caretta) Plastikteile – bei den Exemplaren aus dem Indischen Ozean waren hingegen nur 28 Prozent belastet.
Auch Unterschiede bei der Art des Plastiks zeichneten sich zwischen den Meeresregionen ab, berichten die Forscher: “Bei den Schildkröten im Pazifik fanden wir hauptsächlich harte Fragmente, die aus einer Vielzahl von Produkten stammen könnten, die von Menschen verwendet werden, während es sich bei den Kunststoffen im Indischen Ozean hauptsächlich um Fasern handelte, die möglicherweise von Fischereiutensilien stammen”, berichtet Duncan.
Vorteil wird zum Nachteil
Die Wissenschaftler beschreiben das Problem im Rahmen ihrer Studie als eine evolutionäre Falle für die jungen Meeresschildkröten. Wie sie erklären, kommt es zu diesem Effekt, wenn sich eine einst sinnvolle Verhaltensanpassung oder die Wahl eines Lebensraums nun in einen Nachteil für das Überleben einer Art verkehrt. Bei den jungen Meeresschildkröten ist dabei die Anpassung an die Meeresströmungen das Problem. Nachdem sie an den Stränden geschlüpft und ins Wasser gekrabbelt sind, lassen sie sich vom Wasserstrom in offene Meeresbereiche tragen und verbringen dort ihre ersten Lebensjahre. Dort gibt es Nahrung und vergleichsweise wenige Feinde.





