Wenn Jungen Opfer von Gewalt und Misshandlung werden, neigen sie in ihrem späteren Leben selbst häufig zu Aggressionen. An anderen gehen schlimme Erfahrungen vorbei, scheinbar ohne tiefe Spuren zu hinterlassen. Ursache dieser unterschiedlichen Entwicklung könnte eine besondere genetische Veranlagung sein, schreibt eine internationale Forschergruppe im Fachmagazin “Science” (Ausgabe vom 2. August). Das betroffene Gen regelt die Produktion einer bestimmten chemischen Substanz im Gehirn, die sich auf das Verhalten auswirkt.
Für ihre Studie untersuchten die Forscher aus Neuseeland, den USA und Großbritannien junge Männer aus Neuseeland, die in ihrer Kindheit misshandelt worden waren. Knapp jeder sechste trug eine bestimmte Variation des so genannten MAO-A-Gens in sich. Diese jungen Männer zeigten weitaus häufiger ein aggressives und unsoziales Verhalten als ihre Altersgenossen ohne die Veränderung, die ebenso eine schwere Kindheit erfahren hatten.
Nicht das Gen allein bewirke das unsoziale Verhalten, betont Mitautor Terrie Moffitt von der Universität Madison (USA). Entscheidend sei vielmehr das Zusammenspiel zwischen dem Gen und der in der Kindheit erlebten Misshandlung. 85 Prozent der Jungen, für die beides zutrifft, fielen später durch aggressives oder kriminelles Verhalten auf, erläutert der Psychologe.
Das MAO-A-Gen ist für die Produktion eines bestimmten Eiweißstoffes zuständig, der als “Aufräumdienst” in den Verbindungen zwischen Nervenzellen arbeitet. Ist das Gen verändert, kann der Körper nur eine schwächere Variante des Enzyms produzieren. In früheren Studien hatten sich Menschen mit einem Mangel an diesem Enzym überdurchschnittlich aggressiv gezeigt.
ddp/bdw – Ulrich Dewald





