Nicht nur das Äußere, der Charakter und die Disposition für bestimmte Krankheiten sind in den Genen angelegt. Kanadische Wissenschaftler zeigen in einer Untersuchung von ein- und zweieiigen Zwillingen, dass sogar Vorlieben wie Sport treiben oder Kreuzworträtsel raten und persönliche Einstellungen etwa zu Todesstrafe oder Abtreibung wahrscheinlich genetisch bedingt sind. Ihre Studie ist in der Juni-Ausgabe des Journal of Personality and Social Psychology erschienen.
Das Team um James M. Olson von der University of Western Ontario in London (Kanada) hat 336 Paaren von erwachsenen ein- und zweieiigen Zwillingen eine Liste mit 30 Einstellungen und Vorlieben vorgelegt. Sie sollten jeweils in einer Skala ankreuzen, wie sehr sie zu der jeweiligen Vorliebe oder der Ansicht neigten. Dann verglichen die Forscher, wie oft von den eineiigen und zweieiigen Zwillingen übereinstimmende Antworten gegeben wurden.
Von den 30 genannten Punkten deuteten 26 auf einen gewissen genetischen Einfluss hin. Die stärkste Verbindung zu einer genetischen Veranlagung wiesen fünf Einstellungen und Vorlieben auf: Lesen, Abtreibungsbefürwortung, Sport treiben im Verein, Achterbahn fahren und Todesstrafenbefürwortung. Vier Punkte zeigten kaum genetischen Einfluss: Differenzierte Rollenzuweisung für Männer und Frauen, Bingo spielen, für leichten Zugang zu Empfängnisverhütungsmitteln sein und Selbstbewusstsein zeigen.
Was auf den ersten Blick wie eine bunte Mischung aussieht, haben Olson und seine Kollegen in übergeordnete Kategorien einsortiert. Dabei ergab sich, dass Einstellungen zum Schutz des Lebens (Abtreibung, Todesstrafe, Euthanasie), Haltung zur Gleichheit der Menschen (Rassendiskriminierung, Toleranz) und Sportbegeisterung am stärksten genetisch bedingt zu sein scheinen. Intellektuelle Vorlieben wie Kreuzworträtselraten oder Schach spielen werden dagegen vermutlich kaum von den Genen beeinflusst.
Dennoch bleibt die Frage, wie es sein kann, dass Meinungen und Neigungen von den Genen bestimmt werden. Die Forscher sehen eine Verbindung von den äußerlichen und den charakterlichen Anlagen zu den Einstellungen und Vorlieben. Bestimmte Anlagen wie etwa ein schlanker Körper prädisponieren nach Meinung der Forscher ein Individuum eben eher dazu, mit Begeisterung Sport zu treiben als wenn es diese Körpergestalt nicht hätte.
Doris Marszk





