Durch seine Existenz hat der Mensch den Planeten Erde nachhaltig verändert: Er rodete Wälder, legte Äcker an, staute Flüsse und baute Häuser. Mit der wachsenden Weltbevölkerung wurden diese Eingriffe im Laufe der Zeit immer umfangreicher. “Landsysteme bilden die Hauptgrundlage für die Existenz und das Wohlergehen von Menschen, einschließlich der Bereitstellung von Nahrung, Trinkwasser und vielen weiteren Ökosystemleistungen,
sowie die biologische Vielfalt”, heißt es einleitend im neuen IPCC-Sonderbericht. “Die Nutzung durch den Menschen beeinflusst über 70 Prozent der globalen, eisfreien Landoberfläche.” Schon länger ist bekannt, dass viele Landnutzungsveränderungen erhebliche Auswirkungen auf das irdische Klimasystem haben. Wenn beispielsweise Wälder abgeholzt werden, verringert sich die Fähigkeit der Pflanzenwelt, Kohlendioxid aus der Luft aufzunehmen und in ihren Geweben zu speichern. Eine wichtige Senke für Treibhausgase schrumpft dadurch.
Landnutzung erzeugt 23 Prozent der anthropogenen Emissionen
Im Sonderbericht “Klimawandel und Landsysteme” haben die Wissenschaftler des Weltklimarats nun zusammengetragen, wie sich die verschiedenen Formen der Landnutzung auf die Treibhausgasemissionen und das Klimasystem auswirken, aber auch, welche Maßnahmen am geeignetsten wären, um der Erwärmung entgegen zu wirken. “Die Landsystem spielen eine bedeutende Rolle im Klimasystem”, erklärt Jim Skea, einer der Leiter der IPCC-Arbeitsgruppe III. “Landwirtschaft, Waldwirtschaft und andere Formen der Landnutzung sind für 23 Prozent der anthropogenen Treibhausgasemissionen verantwortlich”, fasst er eines der Ergebnisse des IPCC-Berichts zusammen. Konkret gingen in der Zeit von 2007 bis 2016 rund 13 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen, 44 Prozent der Methanemissionen und 82 Prozent des Lachgasausstoßes aus menschlichen Aktivitäten auf die Landnutzung zurück. “Gleichzeitig absorbieren die Land-Ökosysteme auch fast ein Drittel der gesamten CO2-Emissionen aus der Nutzung fossiler Brennstoffe und der Industrie”, berichtet Skea.
Doch wie gut eine Landfläche diese Funktion als Treibhausgas-Senke wahrnehmen kann, hängt stark davon ab, in welchem Zustand sie ist: Ist das Land durch Übernutzung und Erosion degradiert, sinkt auch seine Fähigkeit, durch Pflanzenwuchs neues CO2 aufzunehmen und zu speichern. Im Falle von Ackerflächen oder Weiden kommt hinzu, dass auch die Produktivität für die Nahrungsmittelproduktion sinkt. So leben schon jetzt rund 500 Millionen Menschen in Gebieten, die von Desertifikation geprägt sind. Diese Situation wird sich den Prognosen der Klimaforscher nach jedoch noch weiter verschärfen: Zunehmende Starkregen, Dürren und Waldbrände tragen dazu bei, die Vegetation zu schädigen und die Erosion zu verstärken. “Der Klimawandel erzeugt zusätzliche Belastungen für Landsysteme, was bestehende Risiken für Lebensgrundlagen, die biologische Vielfalt, die Gesundheit von Mensch und Ökosystemen, Infrastruktur und Ernährungssysteme verschärft”, heißt es im aktuellen Sonderbericht.





