In den letzten Jahren haben zahlreiche Studien bereits dargelegt, dass der Meeresspiegel durch die globale Erwärmung und die Zunahme der Eisschmelze ansteigt und dass sich dieser Anstieg zunehmend beschleunigt. Auch das Abschmelzen der Gletscher in den Polargebieten, aber auch den Hochgebirgen hat sich in den letzten Jahren weiter beschleunigt. Gleichzeitig gibt es starke Indikatoren dafür, dass sich durch den Einfluss des Klimawandels auch eng mit dem Meer verknüpfte Wetter- und Klimaphänomene wie starke Wirbelstürme, Sturmfluten und El-Nino-Ereignisse häufen.
Um diese Einzelaspekte auf eine einheitliche, wissenschaftlich abgesicherte Basis zu stellen, hat nun das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) alle aktuellen Erkenntnisse in einem Sonderbericht zusammengefasst. Für den “Special Report on the Ocean and Cryosphere in a Changing Climate” (SROCC) haben mehr als 100 Wissenschaftler aus 36 Nationen knapp 7000 Forschungsarbeiten aus aller Welt gesichtet und ausgewertet. Diese Daten und Aussagen bilden nun die offizielle Basis für politische Entscheidungen von Regierungsvertretern und Gremien in aller Welt.
Meeresspiegel steigt stärker als zuvor prognostiziert
Zu den Kernaussagen des IPCC-Sonderberichts gehören neue Daten und Prognosen zum Meeresspiegelanstieg. Demnach liegt der jährliche Anstieg der Pegel inzwischen bei knapp vier Millimetern pro Jahr. Diese Rate erhöht sich zudem jährlich um rund 0,1 Millimeter – der Meeresspiegelanstieg beschleunigt sich demnach immer mehr. Der Bericht bestätigt auch, dass sich die Ursachen für das Ansteigen der Meere verschoben haben: Zwar nimmt die Erwärmung des Meerwassers und die damit verbundene thermische Ausdehnung weiterhin deutlich zu. Den größten Beitrag aber liefert inzwischen das Abschmelzen der Eiskappen. Auch die Prognosen für die zukünftige Entwicklung des Meeresspiegels wurden im aktuellen Bericht präzisiert und um 10 bis 15 Prozent erhöht. Demnach könnten die Pegel bei einer weitgehend ungebremsten Erwärmung (IPCC-Szenario RCP 8.5) bis zum Jahr 2100 im Schnitt um 61 bis 110 Zentimeter gegenüber den Pegeln bis 2005 steigen. Damit rückt erstmals auch ein Meeresspiegelanstieg von mehr als einem Meter in den Bereich des Wahrscheinlichen.
Der Sonderbericht bestätigt auch den zunehmenden Effekt der Erwärmung auf das Eis der Antarktis und Grönlands. Demnach hat sich der Eismassenverlust in Grönland gegenüber dem Zeitraum von 1997 bis 2006 inzwischen verdoppelt und in der Antarktis verdreifacht. Konkret hat die Masse des antarktischen Eisschilds in der Zeit seit 2006 um 155 Gigatonnen pro Jahr abgenommen – das ist deutlich mehr als noch im 5. Weltklimabericht angegeben. Hauptursache hinter diesem Eisverlust ist das Ausdünnen und Zurückziehen der Auslassgletscher der Westantarktis. Auch in Grönland hat der Gletscherrückgang an Tempo zugenommen. Lag der Eisverlust dort von 1997 bis 2006 noch bei rund 215 Gigatonnen pro Jahr, waren es im darauffolgenden Jahrzehnt bereits 278 Gigatonnen jährlich.





