Beim Klimagipfel von Paris im Jahr 2015 haben sich die Regierungen von 195 Staaten darauf geeinigt, die Erwärmung auf einen Wert unter zwei Grad zu begrenzen, wenn möglich sogar auf 1,5 Grad. Denn diese Werte galten als ein Maß der globalen Erwärmung, bei dem Klimafolgen wie der Meeresspiegel-Anstieg und Wetterextreme noch halbwegs glimpflich ausfallen. Doch seit Paris ist wenig passiert, um das Klimaschutzziel zu erreichen – eher im Gegenteil: Die USA unter Präsident Donald Trump sind 2017 aus dem Klimaabkommen ausgestiegen und Deutschland und andere Länder werden die selbstgesteckten Klimaschutzziele nicht erreichen. Klimaforscher warnten deshalb bereits im Sommer 2017, dass selbst das Zwei-Grad-Ziel nur noch mit drastischen Maßnahmen und einer fünf prozentigen Chance überhaupt zu erreichen sei.
Ein halbes Grad macht den Unterschied
Der jetzt veröffentlichte Bericht des Intergovernmental Panel on Climate Chance (IPCC) ist angesichts des bisher eher stagnierenden Klimaschutzes wenig ermutigend. Denn in ihm zeigen die 91 Autoren aus 40 Ländern eindringlich auf, welche Folgen schon eine Erwärmung um zwei Grad gegenüber 1,5 Grad haben wird. Obwohl nur ein halbes Grad die beiden Zielwerte trennt, macht dies in Bezug auf Extremwetter wie Dürren und Starkregen, beim Meeresspiegel oder dem arktischen Meereis einen bedeutenden Unterschied, wie die Autoren berichten. Welche Folgen eine Erwärmung um weitere 0,5 Grad gegenüber heute hätte, lasse sich schon jetzt an den Veränderungen in der Häufigkeit und Intensität einiger Klima- und Wetterextreme ablesen, betonen die Forscher.
“Die menschliche Aktivität hat bereits zu rund einem Grad Erwärmung gegenüber den präindustriellen Werten geführt”, heißt es im Report. “Der Wert von 1,5 Grad wird zwischen 2030 und 2051 erreicht sein, wenn der aktuelle Trend so weitergeht.” Damit steuert die Welt momentan eher auf drei bis vier Grad Erwärmung zu als auf die angestrebten 1,5 oder zwei Grad. “Eine der Kernbotschaften dieses Berichts ist, dass wir schon jetzt die Konsequenzen von einem Grad Erwärmung in Form von mehr Extremwetter, steigenden Meeresspiegeln, schwindendem arktischen Meereis und weiteren Veränderungen sehen”, sagt Panmao Zhai, Co-Leiter der IPCC-Arbeitsgruppe I.
Für die Zukunft prognostizieren er und seine Kollegen, dass der Meeresspiegel bei einer Begrenzung auf 1,5 Grad bis 2100 im Schnitt um zehn Zentimeter weniger ansteigen werde als bei zwei Grad. Für tiefliegende Inselstaaten und viele dicht besiedelte Küstenregionen könnte schon dieser Unterschied überlebenswichtig sein, betonen die Forscher. Korallenriffe würden bei einer Erwärmung auf 1,5 Grad um 70 bis 90 Prozent schwinden, bei zwei Grad jedoch wären nahezu alle Korallenriffe verloren. Auch das Risiko für Wetterextreme wie Dürren und Starkregen wird bei zwei Grad Erwärmung deutlich höher liegen als bei einer Begrenzung auf 1,5 Grad. Von den Landökosystemen wären bei der geringeren Erwärmung rund die Hälfte weniger gefährdet als bei zwei Grad. Weltweit wären zudem bei zwei Grad Erwärmung doppelt so viele Menschen von Wassermangel und Wasserknappheit bedroht wie bei 1,5 Grad. Auch bei der Nahrungsmittelversorgung, dem Wirtschaftswachstum und der Ausbreitung tropischer Krankheiten müsse man bei zwei Grad mit gravierenden Folgen rechnen, so die Forscher.





