Der Klimawandel ist nicht mehr zu leugnen und hat schon jetzt nahezu weltweite Folgen, darunter steigende Temperaturen, Wetterextreme, zunehmende Überschwemmungen und Stürme. Im Klimaabkommen von Paris im Jahr 2015 haben sich Staaten weltweit dazu verpflichtet, die globale Erwärmung auf maximal zwei Grad, nach Möglichkeit nur 1,5 Grad gegenüber den präindustriellen Werten zu begrenzen. Allerdings ist seither wenig passiert und die Treibhausgas-Emissionen haben Rekordwerte erreicht. Wie die Bilanz im globalen Klimaschutz konkret aussieht und was getan werden kann und muss, um die Klimaschutzziele zu erreichen, haben nun die IPCC-Wissenschaftler der Arbeitsgruppe III im dritten Teil des aktuellen Weltklimaberichts zusammengefasst.
“Jetzt oder nie”
Die Kernaussage im dritten Teil des Weltklimaberichts ist deutlich: “Wir stehen an einem Scheideweg: Die Entscheidungen, die wir heute fällen, können eine lebensfreundliche Zukunft noch ermöglichen”, sagt der IPCC-Vorsitzende Hoesung Lee. Dafür sei aber unmittelbares Handeln nötig. Um die globale Erwärmung auf 1,5 oder zwei Grad zu beschränken, müssten die Treibhausgase-Emissionen spätestens im Jahr 2025 ihren Höhepunkt erreichen und bis 2030 um 43 oder 25 Prozent sinken. “Selbst wenn wir dies schaffen, wird es unvermeidbar sein, dass wir die Temperaturschwellen vorübergehend überschreiten”, so das IPCC. “Es heißt jetzt oder nie, wenn wir die Klimaschutzziele noch erreichen wollen”, sagt Jim Skea, Leiter der IPCC-Arbeitsgruppe III.
Der Bericht stellt den bisherigen Klimaschutzbemühungen ein eher gemischtes Zeugnis aus. Einerseits ist die Weltgemeinschaft weit von den Zielen des Pariser Klimaschutzabkommens entfernt: Die Treibhausgas-Emissionen waren in der Dekade 2010 bis 2019 so hoch wie nie zuvor. Geht der Emissionstrend so weiter, wird die Erwärmung mindestens 2,8 Grad erreichen. Andererseits jedoch hat sich der globale CO2-Ausstoß gegenüber dem vorhergehenden Jahrzehnt bereits verlangsamt. Konkret haben sich die Emissionen durch effizientere Prozesse und eine geringere Nutzung fossiler Energien im Energiesektor gegenüber vorhergehenden Dekade um 1,3 Prozent verlangsamt, die der Industrie um rund zwei Prozent. Gleich geblieben ist hingegen die Zunahme des Treibhausgas-Ausstoßes im Transportsektor. Insgesamt allerdings waren die Reduktionen bisher aber nicht groß genug, um den weltweiten Anstieg der Emissionen in nahezu allen Sektoren auszugleichen.
Wo ist schon was passiert?
In vielen Bereichen gibt es aber erste positive Ansätze für eine Transformation und Dekarbonisierung. “Es gibt Maßnahmen, Regulierungen und Marktinstrumente, die sich als effektiv erweisen”, sagt Lee. “Wenn diese hochskaliert werden und breiter und gleichmäßiger verteilt angewendet werden, können sie tiefgreifende Emissionsverringerungen unterstützen und Innovationen fördern.” Den IPCC-Berechnungen zufolge wurden durch solche Maßnahmen bereits Emissionen von mehreren Gigatonnen CO2 pro Jahr vermieden. Fortschritte sehen die Wissenschaftler zum einen in Gesetzen und Maßnahmen, die Emissionen beschränken und den Klimaschutz fördern. So waren 2020 bereits rund 20 Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen in CO2-Steuern oder den Emissionshandel eingebunden. “Auch wenn Abdeckung und Preise bisher nicht ausreichend waren, um tiefgreifende Reduktionen zu erzielen”, so der Bericht. In 56 Ländern gibt es zudem Klimaschutzgesetze, die direkt Vorgaben zu Emissionen machen.





