Ewiges Eis, klirrend kaltes Wasser und raue Winde: Wer in der Antarktis überleben will, der muss einiges abkönnen. Viele hoch spezialisierte Arten vom Kaiser-Pinguin bis zur winzigen Meeresmikrobe gibt es daher nur hier. Doch der Klimawandel macht auch vor der Antarktis keinen Halt. Indem sich der Kontinent und seine Gewässer zunehmend erwärmen, entstehen dort immer bessere Bedingungen für invasive Arten, die das einzigartige Ökosystem für immer zerstören könnten.
Gefährlichen Trampern auf der Spur
Doch wie gelangen diese Invasoren – zumeist kleine wirbellose Meerestiere – überhaupt so tief in den abgelegenen Süden? Sie „trampen“, indem sie sich zum Beispiel an Seetang, Treibholz, Bimsstein oder Plastik anheften und dann von Meeresströmungen in Richtung Antarktis gespült werden. Bislang ging man davon aus, dass diese Neuankömmlinge nur von nahegelegenen unbesiedelten Inseln im Südpolarmeer wie der Macquarie- oder der Kerguelen-Insel stammen, doch Forschende um Hannah Dawson von der University of New South Wales haben die Wege der winzigen Reisenden nun erstmals auch über weitere Strecken nachverfolgt.
Konkret leitete das Team anhand von modellierten Oberflächenströmungs- und Wellendaten aus den Jahren 1997 bis 2015 die Bewegungen von Treibgut aus verschiedenen Orten der Südhalbkugel ab, darunter neben unbewohnten Inseln des Südpolarmeeres auch Südamerika, Neuseeland, Australien und Südafrika. „Stellen Sie sich vor, Sie lassen ein Stöckchen in einen Fluss fallen und laufen dann flussabwärts, um zu sehen, wo es landet – das ist im Wesentlichen das, was wir mit unserer Modellierung tun, wobei wir anstelle eines Flusses simulierte Meeresströmungen verwenden“, erklärt Dawson.
Die Invasoren legen weite Strecken zurück
Dabei zeigte sich: Alle untersuchten Orte – auch die von Menschen bewohnten – entsenden Treibgut in die Antarktis. Zwar stellen die unbewohnten Inseln des Südpolarmeeres immer noch die Hauptquelle dar, doch auch von deutlich weiter entfernten Landmassen wie Neuseeland oder Südafrika werden alle paar Jahre potenzielle Invasoren angespült. Von Südamerika aus gelangte sogar in allen 19 Jahren der Simulation Treibgut in die Antarktis, wie Dawson und ihr Team berichten. Insgesamt kommen so pro Jahr rund 35 Millionen Treibgut-Objekte zusammen, die samt blinden Passagieren ihren Weg in den Süden finden und dort große ökologische Schäden anrichten können. Zu den Treibgut-Trampern gehören zum Beispiel Muscheln (Mytilus platensis) und Moostierchen (Membranipora membranacea).





