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Invasive Nadelameise jetzt auch in Deutschland nachgewiesen
Erde & Umwelt

Invasive Nadelameise jetzt auch in Deutschland nachgewiesen

Die invasive Asiatische Nadelameise (Brachyponera chinensis) ist jetzt erstmals auch in Deutschland entdeckt worden. · Foto: Aron Bellersheim

Invasiver Neuzugang: Die ursprünglich aus Ostasien stammende Asiatische Nadelameise ist jetzt auch in Deutschland angekommen. Forschende haben in Stuttgart erstmals eine Kolonie dieser Ameisenart entdeckt. Die Nadelameise Brachyponera chinensis gilt als problematisch, weil sie heimische Ameisenarten verdrängt und weil ihre Stiche eine Allergie und im Extremfall sogar einen anaphylaktischen Schock auslösen können.
Autor
Redaktion
20. April 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Erde & Umwelt

Die Asiatische Nadelameise (Brachyponera chinensis) stammt ursprünglich aus Ostasien, hat sich aber in den letzten knapp hundert Jahre auch auf anderen Kontinenten ausgebreitet. Die sozialen, in Kolonien lebenden Insekten wurden bereits 1932 erstmals in den USA nachgewiesen. In den letzten Jahren wurden auch erste Vorkommen dieser invasiven Art in Europa gemeldet. So entdeckten Forschende im Jahr 2020 ein erstes Exemplar in Neapel, später folgten weitere Funde in Italien, unter anderem am Comer See.

Das Problem: Die Asiatische Nadelameise ist dafür bekannt, dass sie heimische Ameisenarten verdrängt, und gilt daher als ernstes Risiko für die heimische Biodiversität und Ökosysteme. Zudem kann diese Art auch für Menschen eine Gesundheitsgefahr darstellen. Denn ihre Stiche sind schmerzhaft und die dabei injizierten Proteine könne schwere allergische Reaktionen und Hautausschläge auslösen. Wegen dieser Risiken wurden die Asiatische Nadelameise im Jahr 2025 von der Europäischen Union in die sogenannte „Unionsliste“ aufgenommen und damit als potenziell besonders schädliche invasive Art eingestuft.

Ameisenkolonie im Stadtpark

Jetzt haben Biologen um Brendon Boudinot vom Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt erstmals eine Kolonie der Asiatischen Nadelameise in Deutschland entdeckt. Aufgespürt haben sie die Ameisenart bei einem sogenannten „BioBlitz“, einer zeitlich begrenzten lokalen Arteninventur, im Juni 2025 in Stuttgart. Im Rosensteinpark der Stadt stießen sie dabei auf mehrere Tiere dieser invasiven Art. Anhand von Merkmalen wie Körperform, Oberflächenstruktur und Augen identifizierten sie die ostasiatische Art. „Damit liegt der erste gesicherte Nachweis dieser Art in Deutschland vor“, berichtet Boudinot.

Weitere Funde belegten, dass diese Ameisen bereits eine Kolonie im Stuttgarter Park etabliert haben. „Wir konnten in dem Park eine vollständige Kolonie der Asiatischen Nadelameise mit Nachwuchs entdecken“, so Boudinot weiter. „Das zeigt, dass es sich nicht nur um einzelne eingeschleppte Tiere handelt, sondern sehr wahrscheinlich um eine lokale überwinterungsfähige Population.“ Der Fund repräsentiert damit auch den ersten Beleg für eine beginnende Ansiedlung von Brachyponera chinensis in Mitteleuropa.

Eingeschleppt durch importierte Pflanzen

Die Forschenden vermuten, dass die Asiatische Nadelameise über importierte Pflanzen nach Stuttgart eingeschleppt wurden. „Urbane Gebiete stehen häufig im Zentrum der Etablierung gebietsfremder Arten: Hier kommen sie vermehrt als blinde Passagiere, beispielsweise in Topfpflanzen oder anderen Importgütern an und können sich oft auch besonders gut etablieren“, erklärt Seniorautorin Maura Haas-Renninger vom Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart. „Dass wir geflügelte Königinnen im Stuttgarter Rosensteinpark gefunden haben, zeigt, dass sich die Tiere hier bereits eigenständig weiter ausbreiten könnten.“

Noch ist unklar, wie weit die Asiatische Nadelameise in Deutschland bereits verbreitet ist. Das Forschungsteam empfiehlt nun eine gezielte Überwachung, um eine mögliche weitere Ausbreitung der invasiven Art frühzeitig zu erkennen. „Unser Nachweis hebt die zentrale Bedeutung des Biodiversitätsmonitorings hervor: Nur wenn wir wissen, welche Arten sich ausbreiten oder zurückgehen, können gezielte Schutzmaßnahmen entwickelt werden“, betont Haas-Renninger.

Quelle: Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung; Fachartikel: Zootaxa, doi: 10.11646/zootaxa.5785.1.11

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