Pilze kommen überall auf unserem Planeten vor, aber Pilz ist nicht gleich Pilz. Manche sind nützlich, andere machen uns krank. Im Interview verrät Pilzforscherin Christiane Baschien, warum Pilze Fluch und Segen gleichermaßen sind, warum der Mensch ohne sie nicht auskommt und welcher ihr Lieblingspilz ist. Baschien ist Kuratorin am Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung für Mikroorganismen und Zellkulturen und leitet die Arbeitsgruppe gesundheitsrelevante Pilze. Außerdem ist sie Lehrbeauftragte für Mikrobiologie an der Technischen Universität Braunschweig.
Was sollte man über Pilze wissen?
Dass Pilze weder Tiere noch Pflanzen sind, sondern ein eigenes Reich innerhalb der Organismen bilden. Dass Pilze nicht nur schlecht sind, sondern auch viele positive Eigenschaften haben. Und Sie müssen keine Angst vor Pilzen haben. Einige Pilze schmecken außerdem gut.
Wo finden wir überall Pilze?
Pilze finden wir wirklich überall. Was wir als Pilz auf dem Waldboden sehen, ist oft nur der Fruchtkörper des Pilzes, den er bildet, wenn es im Herbst kälter wird und die Feuchtigkeit steigt. Pilze, mit Ausnahme der Hefen, sind eigentlich alle fadenförmig, und das Geflecht ihrer Fäden, das Myzel, liegt beispielsweise im Wald unter der Erde. 80 Prozent aller Landpflanzen leben über ihre Wurzeln in Symbiose mit diesen unterirdischen Pilzen. Pilze sind auch die Destruenten unserer Welt. Sie bauen also organisches Material ab, auch komplexes organisches Material wie Holz oder Laub. Hätten wir die Pilze nicht, würden die Stoffkreisläufe in unseren Wäldern und Gewässern nicht funktionieren.
Schimmelpilze gelten allgemein als gesundheitsschädlich. Wie können Pilze unseren Alltag und unsere Gesundheit unterstützen?
Schimmelpilze können gesundheitsschädlich sein. Sie kommen in schlecht sanierten Wohnungen oder auf Lebensmitteln vor. Es gibt auch Hautpilze, die bei etwa 30 Grad Celsius wachsen. Und wenn es ganz schlimm kommt und das eigene Immunsystem geschwächt ist, können Pilze den Menschen besiedeln. Pilze können nicht nur den Menschen, sondern auch Pflanzen „befallen“ und verursachen weltweit jedes Jahr Milliardenschäden an Nutzpflanzen und erschweren damit die Nahrungsmittelproduktion. Andererseits stellen wir aus bestimmten Pilzen auch Antibiotika her, die uns helfen, Krankheiten zu bekämpfen, beispielsweise Penicillin.
Aus unserem Alltag sind Pilze nicht wegzudenken: Unsere „Lieblingshefe“ heißt Saccharomyces cerevisiae und liefert uns CO2 als Treibmittel beim Backen von Brot und Kuchen oder vergärt für uns den Alkohol in Bier und Wein. Auch bei der Käseherstellung kommen Pilze zum Einsatz. Berühmt ist der Camembert, bei dem Penicillium camemberti nach der Reifung sozusagen die Schutzschicht um den Käse bildet. Diese Schutzschicht verhindert, dass andere Mikroorganismen in den Käse eindringen können und macht ihn haltbarer.





