Die Haischutzzone der Marshallinseln ist fast so groß wie das Mittelmeer. Lässt sich solch ein Gebiet überhaupt überwachen?
Albon Ishoda: Das ist die Eine-Million-Dollar-Frage. Wie überwachen wir das Gebiet? Es gibt das Vessel-Monitoring-System der Parties of the Nauru Agreement (PNA), welches acht Pazifiknationen zur Überwachung der Thunfischbestände entwickelt haben. Grundlage des Systems ist, dass alle Fischer ein Ortungssystem an Bord haben müssen. Dieses sendet ein Funksignal aus, das aufgezeichnet wird – dadurch können wir die Kurse aller registrierten Boote aufzeichnen. Natürlich weiß niemand, ob Haie gefangen werden. Hinzu kommt, dass es nur ein Patrouillenboot gibt. Daher ist es schwierig, das riesige Gebiet umfassend zu überwachen. Wir versuchen aber einen besseren Weg zu finden. Dazu arbeiten wir mit Partnerländern wie zum Beispiel den USA oder anderen mikronesischen Inseln zusammen.
Gibt es bereits Zahlen, welche die Effektivität der weltweit größten Haischutzzone belegen?
Nein. Es ist schwer, schon jetzt etwas zur Effektivität zu sagen. Das Schutzgebiet gibt es nun seit knapp zwei Jahren. Das ist ein kurzer Zeitraum. (Anm. d Redaktion: Viele Haiarten brauchen lange bis zur Geschlechtsreife. Bei Zitronenhaien zum Beispiel dauert es etwa 13 bis 15 Jahre) . Außerdem brauchen wir Partner, um aussagekräftige Zahlen zu bekommen. Zum Beispiel die Fischfangflotten selbst. Es wäre also etwas voreilig zu sagen, ob wir Erfolg haben. Ich bin aber überzeugt, dass wir in einiger Zeit vorweisbare Daten bekommen, die uns zeigen, dass wir das Richtige tun.
Welche Strafen drohen Fischern, die im Schutzgebiet Haie fangen?
Die Gesetze im Zusammenhang mit den Schutzgebieten sind die strengsten der Welt. Es dürfen sich keine Haiprodukte auf Booten innerhalb der Hoheitsgebiete befinden – unabhängig davon, ob sie dort gefangen wurden. Alle Fischer, die gegen dieses Gesetz verstoßen, müssen hohe Strafen zahlen und ihre Lizenz wird eingezogen. Die Marshall Islands Marine Resource Authority (MIMRA), die für die Überwachung zuständig ist, hat bereits mehrere Lizenzen entzogen. Erst Anfang Juni fanden Beamte 50 Haie an Bord eines chinesischen Bootes.
Was war der Hintergrund der Entscheidung, das Schutzgebiet auszurufen?
Da gab es mehrere Gründe. Es geht uns um Würde und Selbstachtung. Wir sind auf unseren Inseln auf ein funktionierendes Ökosystem angewiesen, um zu überleben. 90 Prozent unserer Ressourcen kommen aus dem Meer. Wir möchten also sicherstellen, dass der Ozean gesund ist und hilft, das Land voranzubringen. Andererseits hilft die Erholung der Haibestände auch der Wirtschaft, da zum Beispiel mehr Taucher ins Land kommen.





