Bei der Zulassung eines Pestizids werden in der Regel umfangreiche Tests durchgeführt, auf deren Basis die Behörden eine maximal akzeptable Dosis festlegen. Diese Konzentration gilt dann als die Dosis, bei der keine negativen Auswirkungen auf ein Gewässer und die darin lebenden Organismen zu erwarten sind. Damit diese Konzentration in der Praxis nicht überschritten wird, müssen Landwirte bei der Ausbringung von Pestiziden oftmals Auflagen einhalten, zum Beispiel einen Mindestabstand von bis zu 20 Metern zum nächsten Gewässer.
Gewässer überprüft
Allerdings gibt es inzwischen Zweifel, ob diese Richtwerte und Auflagen tatsächlich ausreichen, um beispielsweise die Organismen der Gewässer zu schützen. Zum einen mehren sich Hinweise darauf, dass selbst Dosen unterhalb der zugelassenen Werte langfristig schädliche Folgen haben können. Zum anderen stellt sich die Frage, ob die Vorschriften überhaupt in der Praxis eingehalten werden.
Um das zu überprüfen, haben Wissenschaftler des Instituts für Umweltwissenschaften der Universität Koblenz-Landau erstmals umfangreiche globale Daten der Insektizidbelastung von Gewässern mit den für die jeweiligen Mittel vorgeschriebenen Maximalkonzentrationen verglichen. Insgesamt umfasste ihre Studie 11.300 Messungen aus 73 Ländern, die im Zeitraum von 1962 bis 2012 gemacht wurden.
Drastische Überschreitungen
Das Ergebnis ist alarmierend: Bei mehr als 40 Prozent der Wasserproben lagen die Insektizidwerte über den behördlich zugelassenen Mindestmengen. In den Sedimenten der untersuchten Gewässer waren sogar mehr als 80 Prozent der Messwerte inakzeptabel hoch. Teilweise maßen die Forscher Überschreitungen um den Faktor 10.000. Wie sich zeigte, waren die Folgen für die Gewässer enorm. Selbst bei den gemäß Zulassungsverfahren noch als unbedenklich einzustufenden Insektizidkonzentrationen wurde die Biodiversität der Gewässerorganismen bereits um etwa 30 Prozent reduziert.
Dabei traten zu hohe Insektizidwerte keineswegs nur in Ländern mit eher lockeren Umweltgesetzen auf: Auch in Ländern mit vergleichsweise strengen Regelungen wie den USA, Kanada, Deutschland oder Japan überschritten 40 Prozent der Proben die zugelassenen Werte. “Das zeigt, dass die Kontamination durch die Richtlinien nicht effektiv kontrolliert wird”, sagen die Forscher.
Von den 138 in Deutschland genommenen Proben waren sogar 80 Prozent höher belastet als behördlich erlaubt. Dieser hohe Wert liegt allerdings daran, dass bei uns vor allem kleinere Gewässer untersucht wurden und man dabei besonders sensible Messmethoden eingesetzt hat, wie die Wissenschaftler erklären. Hätte man diese Methoden überall eingesetzt, dann lägen auch anderswo die Werte noch höher.





