In Deutschland gibt es rund 560 Arten von Wildbienen mit unterschiedlichen Farben und Formen. Die meisten von ihnen leben als Einzelgänger, nicht wie die bekannte Honigbiene in großen Staaten mit Arbeitsteilung. Während bei der Honigbiene nur die Königin Eier legt, ist jede Wildbiene für ihre Fortpflanzung selbst zuständig. Die Weibchen legen dafür ein Nest an und statten es mit Pollen und Nektar zur Verpflegung des Nachwuchses aus. In voneinander getrennte Kammern legen sie dann jeweils ein Ei.
Wie sehen die natürlichen Bienennester aus?
Die meisten deutschen Wildbienenarten bauen ihre Nester im Boden. Sie graben dafür Tunnel in Sand und Erde. Die oberirdisch nistende Gilde hingegen nutzt oder baut Löcher in festem Material wie Pflanzenstängeln oder Holz. Mit Lehm, Baumharz oder Schlamm trennen diese Insekten einzelne Nistkammern voneinander. Etwa 25 Prozent der Wildbienen haben eine besonders raffinierte Strategie: Sie warten, bis andere Wildbienen ihre Nester gebaut und mit Verpflegung ausgestattet haben. Dann legen sie im richtigen Moment ihre Eier in das gemachte Nest. Sie werden daher auch Kuckucksbienen genannt.
Ist das Ei gelegt, dauert es bei den meisten Bienenarten noch ein Jahr, bis der Nachwuchs die Welt außerhalb der Nistkammer entdeckt. Zunächst schlüpft aus jedem Ei eine Larve. Diese frisst den vorbereiteten Pollen und Nektar und bekommt so Zucker und Eiweiß für Energie und Wachstum. Getrennt von ihren Geschwistern spinnt sie sich dann einen Kokon und reduziert ihren Stoffwechsel auf ein Minimum. So überwintert sie die kalte Jahreszeit. Im Frühjahr verpuppt sich die Larve und verwandelt sich schließlich zur Biene.
Wildbienen sichern Ernte
Auf der Suche nach Nektar und Pollen befruchten Wildbienen eine große Anzahl von Blüten. Sie sorgen so für eine reiche Ernte und das Überleben vieler Wildpflanzen. Rund 80 Prozent der Wildpflanzen sind von der Befruchtung durch Insekten abhängig. Dabei sind Wildbienen viel effektiver als ihre domestizierten Verwandten: Eine Studie zeigt, dass wildlebende Insekten bei einer gleichen Zahl von Blütenbesuchen einen doppelt so hohen Fruchtansatz wie Honigbienen erreichen. Sie transportieren demnach nicht nur mehr Pollen, sondern auch in besserer Qualität. So können bei einer Bestäubung durch Wildbienen beispielsweise mehr Erdbeeren, Kirschen, Raps, Kaffee und Wassermelonen geerntet werden.
Wildbienen dienen auch als Futter für Vögel, Fledermäuse, Frösche und Eidechsen. Sie stabilisieren und erhalten so Ökosysteme, in denen Tier- und Pflanzenarten aufeinander angewiesen sind.
Wildbienen sind besonders vom Aussterben bedroht
Obwohl der große Nutzen von Wildbienen bekannt ist, sind rund die Hälfte der bei uns heimischen Arten bedroht. 39 Wildbienenarten sind laut der Umweltschutzorganisation NABU in Deutschland sogar bereits ausgestorben. Ein Grund: Unsere Landschaften werden immer monotoner. In den Städten werden zudem Böden verdichtet, Buschflächen durch eintönige Rasen ersetzt, kleine Wasserläufe und Totholz entfernt. Dadurch fehlen den Bienen Nistplätze und Nahrungspflanzen, auf die sie sich spezialisiert haben. Dazu kommt, dass jedes Weibchen in ihrem kurzen Leben nur etwa zehn bis 30 Eier legt. Wenn dann noch Pestizide, verändertes Klima, Parasiten oder Pilzbefälle die Fortpflanzung beeinträchtigen, ist die Wildbienen-Population schnell in Gefahr.






