Ohne den Besuch von Insekten bilden viele Blütenpflanzen keine Samen und Früchte aus: Der Bestäubung kommt deshalb eine enorme ökologische und ökonomische Bedeutung zu. Bei der Übertragung des Pollens von Wild- sowie Nutzpflanzen spielen in unseren Breiten die verschiedenen Hummelarten eine besonders wichtige Rolle. Doch die fleißigen Brummer sind bedroht: Der Mensch macht ihnen in komplexer Weise das Leben schwer, haben Studien der letzten Jahre gezeigt.
Lebensraumverlust, Luftverschmutzung, Pestizideinsatz – und auch mit den Folgen des Klimawandels haben die Hummeln zu kämpfen. Denn neben Veränderungen der jahreszeitlichen Muster leiden die eher an kühle Bedingung angepassten Insekten auch unter den immer häufigeren Hitzewellen: Es ist davon auszugehen, dass hohe Temperaturen ihre Körperfunktionen in komplexer Weise beeinträchtigen können.
Hitzegestresste Fühler im Test
Die Forschenden um Sabine Nooten von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg sind in diesem Zusammenhang nun der Frage nachgegangen, inwieweit Spitzenwerte, wie sie mittlerweile bei uns auftreten, die Geruchswahrnehmung der Hummeln beeinflussen könnten. Wie sie erklären, besitzt dieser Sinn für die Insekten eine große Bedeutung bei der Orientierung: Die Duftstoffe der Blüten dienen ihnen als Wegweiser und enthalten zudem Informationen zum Zustand der Nahrungsquellen. Rezeptoren in den Antennen der Hummeln detektieren dabei diese flüchtigen Substanzen und senden die Informationen dann in Form von elektrischen Nervenimpulsen an ihr Gehirn.
Bei ihren Untersuchungen verwendeten die Forschenden zwei in Europa weit verbreitete Arten: die Ackerhummel (Bombus pascuorum) und die Erdhummel (Bombus terrestris). Für die Experimente setzten sie die Versuchstiere drei Stunden lang einer Temperatur von 40 Grad Celsius aus. Danach entfernten sie die Antennen der Hummeln, die auch dann noch einige Zeit funktionsfähig bleiben. Durch ein spezielles System verbanden die Forschenden die winzigen Organe dann mit Elektroden, um ihre elektrischen Reaktionen zu messen. Für die „Riechtests“ setzten sie die Antennen anschließend drei flüchtigen Verbindungen aus, die von vielen Blüten verströmt werden und erfassten die entstehenden Spannungssignale.
Kaum noch Reaktion auf Duftstoffe
Aus den Ergebnissen ging hervor: Im Vergleich zu den Antennen, die von Hummeln ohne Hitzestress stammten, zeichnete sich bei den Versuchstieren eine deutliche Beeinträchtigung des Geruchssinns ab. Auf die Duftstoffe reagierten ihre Fühler demnach mit einer um bis zu 80 Prozent verringerten Sensitivität. Am stärksten waren dabei die Ackerhummeln betroffen und die für das Futtersammeln zuständigen Arbeiterinnen stärker als die männlichen Drohnen, berichtet das Team.





