Text: Paula Sträter // Fotos: Bernd Römmelt
Wo genau Lappland beginnt und wo es endet, ist nicht klar definiert. Offiziell trägt lediglich der Norden Finnlands diesen Namen. Für seinen Bildband betrachtet Bernd Römmelt Lappland als europäische Region nördlich des Polarkreises – ein Gebiet, das sich durch Norwegen, Finnland, Schweden und Russland zieht und über 260.000 Quadratkilometer umfasst.
Berglandschaften, Waldregionen und raue Küsten prägen die Natur Lapplands. Die verschiedenen Vegetationszonen unterscheiden sich nicht nur landschaftlich, sondern auch im Klima. Ganz im Westen Lapplands an der norwegischen Küste herrschen starke Stürme und schnelle Wetterwechsel. Obwohl die Region auf dem gleichen Breitengrad wie Grönland und Sibirien liegt, frieren die Meere an der norwegischen Küste nicht ein. Grund dafür: Der Golfstrom sorgt für ein milderes Klima.
Etwas östlicher, entlang der norwegischen Landesgrenze zu Schweden, ziehen sich die Skanden empor. Im Nordwesten Norwegens fällt das Gebirge steil ins Nordmeer ab. Während der Eiszeiten schoben sich Gletscher durch die Bergregion und in das Meer und formten so tiefe Fjorde und eindrucksvolle Küsten.
Jenseits der Skanden ist das Klima kälter, aber auch trockener: Das Gebirge schirmt den östlichen Teil Lapplands von der feuchtwarmen Luft des Atlantiks ab. Große Taiga-Gebiete bedecken vor allem den Norden Finnlands. Als Taiga werden die Nadelbaumwälder in der kaltgemäßigten Klimazone bezeichnet. Die Wälder erstrecken sich von Alaska über Kanada und Lappland bis nach Sibirien und sind die größten zusammenhängenden Wälder der Welt. Insgesamt machen sie mehr als ein Drittel der weltweiten Waldfläche aus.
Die Taiga-Gebiete Lapplands sind von starken Temperaturschwankungen zwischen den Jahreszeiten geprägt: Die Temperaturen können im Sommer bis zu 30 Grad Celsius und im Winter minus 40 Grad betragen. In der eisigen Jahreszeit legt sich vor allem über Finnisch-Lappland eine dicke Schneeschicht und von Mitte Dezember bis Mitte Januar verschwindet die Sonne für ein paar Wochen komplett, während sie im Sommer wochenlang gar nicht untergeht. Noch weiter nördlich wird die Taiga von der Tundra abgelöst, der baumlosen Landschaft zwischen Taiga und Schneewüste. Die Tundra prägt vor allem die Finnmark im Norden Norwegens: Diese Region ist besonders einsam und durch arktische Verhältnisse und einen dauerhaft gefrorenen Boden gekennzeichnet.
So unterschiedlich die Regionen Lapplands auch erscheinen, eins haben sie gemeinsam: Sie alle wurden von Bernd Römmelt bewandert und fotografiert. Insgesamt zwei Jahre seines Lebens verbrachte der Fotograf bisher in der einzigartigen Wildnis. Er ließ sich von Norwegens gebirgigen Küsten und Schwedens Berglandschaften faszinieren und stapfte auf der Suche nach Fotomotiven in den Wäldern Finnisch-Lapplands durch den hohen Schnee. In den einsamen Weiten begegnete er immer wieder dem Klimawandel. Der hat das Land laut Römmelt bereits dramatisch verändert und wird es weiter verändern. Denn die Klimaerwärmung schreitet nördlich des Polarkreises doppelt so schnell voran wie anderswo.





