Die Tuberkulose ist in Deutschland auf dem Rückzug. 1999 seien erstmals etwas weniger als 10.000 neue Erkrankungsfälle registriert worden. Das berichtet das Deutsche Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose (DZK). Weltweit sei die Lage jedoch sehr ernst, hieß es zum von den Vereinten Nationen ausgerufenen Welt-Tuberkulosetag am Sonnabend.
Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist etwa ein Drittel der Weltbevölkerung mit der Lungenkrankheit infiziert. Jährlich erkranken ungefähr acht Millionen Menschen neu. Die vom Volksmund einst “Schwindsucht” genannte Krankheit gehört somit zu einer der häufigsten Infektionserkrankungen weltweit. Zwei Millionen Menschen sterben jährlich daran.
“Die weltweite Zunahme der Zahl der Erkrankungen und die zunehmende Resistenz der Tuberkuloseerreger gegen die eingesetzten Antibiotika lassen Deutschland nicht unberührt”, berichtete Prof. Reinhard Kurth, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI). “Die Entwicklung in Osteuropa, wo gegenwärtig etwa eine Viertelmillion neuer Tuberkulosefälle pro Jahr auftreten, ist Besorgnis erregend”, sagte er. Gerade diese Situation in Osteuropa und den Staaten der ehemaligen Sowjetunion habe wegen der Nähe zu Deutschland besondere Bedeutung.
Experten sorgen sich vor allem um die Ausbreitung von Erregern, die gegen mehrere Medikamente gleichzeitig unempfindlich sind. In Deutschland zeichnet sich seit mehreren Jahren eine Zunahme solcher multiresistenter Keime ab, berichtet das RKI. Die Schwierigkeiten des Gesundheitssystems in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion habe sich sehr negativ auf die Tuberkulosebekämpfung ausgewirkt. Häufig erfolge die Behandlung nur unregelmäßig oder werde zu früh abgebrochen. In Folge dessen träten in diesen Ländern zunehmend resistente Erreger auf, die dann auch nach Deutschland gelangen könnten.
Die Tuberkulosebakterien befallen hauptsächlich die Lungen, können jedoch prinzipiell auch alle anderen Organe infizieren. Normalerweise erkrankt nur ein kleiner Teil der Infizierten, während bei den anderen das Immunsystem in der Lage ist, die Erreger in Schach zu halten. Für eine effektive Tuberkulosebekämpfung sei es notwendig, erkrankte und infizierte Menschen so schnell wie möglich zu finden und zu behandeln. Eine Impfung gegen die Tuberkulose wird von der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut seit 1998 nicht mehr empfohlen. Am 24. März 1882 hatte Robert Koch die Entdeckung des Tuberkulose-Erregers in Berlin bekannt gegeben.
dpa





