Normalerweise versorgen Tierheime vor allem ausgesetzte Hunde und Katzen. Auffangstationen für Wildtiere kümmern sich um verwaiste heimische Rehkitze oder verletzte Greifvögel. Doch seit längerem bereitet ein anderes Thema den Stationen große Kopfschmerzen: Zu groß gewordene Leguane, vereinsamte Äffchen und kranke Karakale finden immer häufiger ihren Weg in Tierheime und Auffangstationen.
Überlaufen und überfordert
Der Grund für die Exoten-Schwemme ist der einfache Zugang zu den diversesten Wildtieren als Haustiere: “Jeder kann sich auf einer Exoten-Börse ein Wildtier kaufen und das ohne jegliche Vorkenntnisse”, berichtet ist Sandra Giltner vom Tierheim München. Sie weiß aus Erfahrung, welche Probleme dadurch entstehen können: Im Münchner Tierheim saßen schon Nasenbären, diverse Affen und ein Känguru.
Das Problem dabei: Die Tierheime sind auf die immer größere Zahl der abgegebenen Exoten nicht eingestellt. “Unser Personal ist zur Pflege von Hunden und Katzen geschult. Die Aufnahme von Exoten stellt uns vor enorme Herausforderungen – finanziell sowie personell”, sagt Giltner. Die meist nur über Spenden finanzierten Tierheime müssen trotz ihrer begrenzten Mittel dafür sorgen, dass die Exoten artgerecht untergebracht und versorgt werden. Dies frisst einen großen Teil der Gelder auf, die eigentlich der Aufnahme und Vermittlung von Haustieren dienen sollten.
Lage spitzt sich zu
In Auffangstationen für Wildtiere sieht es oft ähnlich aus. Sie haben oft keine Kapazitäten für die Exoten und viele kämpfen ohnehin um ihr finanzielles Überleben. Denn: Unterstützung von politischer Seite gibt es kaum, wie Olaf Neuendorf, der Leiter der Auffangstation für Raubkatzen und andere exotische Tiere in Ansbach berichtet. Die Auffangstation steht vor dem Aus, denn das Gelände, auf dem unter anderem Tiger, Füchse und Affen ein neues Zuhause gefunden haben, soll verkauft werden.
Und die Lage spitzt sich zu: Oftmals können die Veterinärbehörden Tiere aus schlechter Privathaltung nicht beschlagnahmen, weil sie nicht wissen, wo sie die Tiere unterbringen sollen. Einige wählen nun schon die Lösung, die Exoten ins Ausland zu bringen: Die Auffangstation AAP in den Niederlanden hat in den vergangenen Jahren schon fast 200 Tiere aus Deutschland aufgenommen. Kostenpunkt für die durch Spenden finanzierte Station: Fünf Millionen Euro für Rettung und Verpflegung der Tiere.
Handel kaum reguliert
Der Grund für das Problem: Der Handel mit exotischen Wildtieren ist bisher in Deutschland kaum reguliert. Jeder, der das Geld hat, kann ein solches Tier kaufen – egal, ob er damit umgehen kann oder nicht. “Der Zugang zu den Tieren ist allzu einfach: In Zoofachgeschäften, auf Börsen oder im Internet kann man problemlos Exoten kaufen, dies oftmals zu einem geringen Preis”, so die Tierschützer. “Das fördert spontane und unüberlegte Käufe.”





