Seit dem Ende der 1990er Jahre gibt es in Südafrika einen besonders lukrativen Industriezweig: Löwenfarmen. Die Faszination für den König der Tiere wird hier in rund 350 Zuchteinrichtungen zu barem Geld gemacht. Jungtiere dürfen von Touristen gegen Geld gestreichelt, gekuschelt und Gassi geführt werden.
Erwachsene Löwen, die für solche Aktivitäten nicht mehr süß und harmlos genug sind, kann man stattdessen als Trophäe bei einer sogenannten Gatterjagd schießen. Die Löwen werden dafür in ein umzäuntes Gelände gebracht und dort dann zur Zielscheibe für zahlende Jagdtouristen – ohne Chance zu entkommen. Oft laufen die Tiere nicht einmal weg, weil sie nie Scheu vor Menschen entwickelt haben. Schätzungen zufolge leben derzeit 8.000 bis 12.000 Löwen in südafrikanischen Löwenfarmen. In freier Wildbahn sind es gerade einmal 3.500.
Knochenhandel floriert weiterhin
Das boomende Löwen-Geschäft verleitet die Farmenbesitzer auch immer wieder dazu, selbst nach dem Tod der Raubkatzen noch Profit aus ihnen zu schlagen. Denn Trophäenjäger nehmen häufig nur den Kopf, die Pfoten und das Fell des erlegten Löwen als Souvenir mit. Das restliche Skelett wiederum lässt sich teuer als Zutat für die traditionelle asiatische Medizin weiterverkaufen. Seit 2019 ist das zwar offiziell verboten, doch wie Forschende um Angie Elwin von der Tierschutzorganisation World Animal Protection nun herausgefunden haben, floriert das Geschäft mit den Löwenknochen offenbar auch weiterhin. Anonyme Befragungen unter Arbeitern in zwei Löwenzuchtanlagen ergaben demnach, dass viele, wenn nicht sogar alle Löwen aus den Anlagen im vergangenen Jahr nach ihrem Tod im Knochenhandel gelandet sind.
Den Löwenfarmern wird diese Praxis sogar recht leicht gemacht, wie die Arbeiter berichten. Denn in Südafrika ist es nach wie vor legal, Löwen kommerziell zu züchten und in Gatterjagden zu schießen. Solange die Farmer vorgeben, genau das und ausschließlich das zu tun, müssen sie keine Sanktionen befürchten. Um einer Entlarvung zu entgehen, setzen die Farmer demnach auch auf Sicherheitskameras, Patrouillengänge und Messaging-Apps, die sie frühzeitig vor einer anstehenden staatlichen Inspektion warnen.
Ende der Löwenfarmen gefordert
Die befragten Arbeiter beklagten aber nicht nur, was mit den Löwen nach ihrem Tod geschieht, sondern auch deren Haltungsbedingungen zu Lebzeiten. Wie Elwin und ihr Team erfahren haben, sind viele der Löwen unterernährt, bekommen kaum sauberes Trinkwasser und leben in verdreckten Gehegen. Darüber hinaus sind es längst nicht mehr nur Löwen, die auf den Farmen gehalten werden, sondern immer häufiger auch Tiger, wie die Arbeiter berichten. Damit reagieren die Farmbetreiber wahrscheinlich auf eine Ankündigung der südafrikanischen Regierung aus dem Jahr 2021, der zufolge alle Löwenfarmen geschlossen werden sollen – auch wenn dahingehend noch nichts geschehen ist.





