Der Klimawandel beschert uns immer früher im Jahr ungewöhnlich warme Tage. Viele Studien belegen bereits, wie die Natur mit einer entsprechenden Vorverlegung ihrer Entwicklung reagiert. Man könnte meinen, dass nun eben einfach alles etwas früher beginnt. Doch diese Verschiebung ist problematisch, wie bereits aus Studien hervorgeht. Sie haben gezeigt, dass einige biologische Systeme aus dem Takt geraten, die auf ein optimales Timing angewiesen sind. Beispielsweise kann der zeitige Frühjahrsbeginn bei voneinander abhängigen Arten zu asynchronen Entwicklungen führen. So erwachen manche Tiere etwa aus der Winterruhe, wenn es noch kaum Futter gibt, oder Pflanzenarten blühen, wenn ihre Bestäuber noch nicht unterwegs sind.
Problematische Wetterkapriolen
Ein weiteres Problem ist die Launenhaftigkeit des zeitigen Frühlings: Es gibt eine Entkopplung zwischen der allgemeinen Erwärmung der Frühjahrstemperaturen und dem Auftreten von Kälteeinbrüchen. Die ungewöhnlich warmen Frühlingstage wechseln sich dadurch noch häufig mit sehr kalten Bedingungen ab. Für viele Organismen ist dies problematisch. So kann etwa eine durch Wärmespitzen besonders früh ausgelöste Blüte von anschließenden Kälteeinbrüchen zerstört werden. Wie nun das Forscherteam festgestellt hat, können diese Wetterkapriolen des verfrühten Frühlings offenbar auch den Bruterfolg einiger Vogelarten beeinträchtigen.
Im Fokus ihrer Studie standen Sumpfschwalben (Tachycineta bicolor) im US-Bundesstaat New York. Wie bei den europäischen Vertretern der Schwalben handelt es sich um Zugvögel, die im Norden brüten und in südlichen Gefilden überwintern. Ihr Bruterfolg ist dabei von der Verfügbarkeit von Fluginsekten abhängig, mit denen sie ihre Küken im Frühjahr füttern. Im Rahmen der Studie haben die Forscher Daten aus über 30 Jahren zur Nahrungsverfügbarkeit und dem Brutverhalten der Schwalben untersucht und mit Wetterdaten verknüpft. „Langzeitstudien wie die unsrige sind unerlässlich, um zu verstehen, wie und warum Arten von Klimaveränderungen betroffen sind“, betont Co-Autorin Maren Vitousek von der Cornell University in Ithaca.
Hunger bei Kälteeinbrüchen
Wie die Forscher berichten, haben die Sumpfschwalben im Zuge der Klimaerwärmung ihren durchschnittlichen Brutbeginn alle zehn Jahre um drei Tage vorverlegt. Aus den Analysen der Wetterdaten ging in diesem Zusammenhang hervor: Die Küken aus den vorverlegten Gelegen sind heute deutlich häufiger als vor 30 Jahren ungünstigen Wetterereignissen ausgesetzt. An entsprechenden Tagen mit niedrigen Umgebungstemperaturen kommt es dann zu einem starken Einbruch der Anzahl fliegender Insekten, konnten die Forscher dokumentieren.





