Mitgähner sind empathischer
Obwohl das Phänomen intensiv untersucht wird, wissen Forscher immer noch nicht so recht, was hinter der Ansteckungskraft des Gähnens steckt. Es gibt allerdings ein paar Hinweise, die dafür sprechen, dass man sich fürs Mitgähnen in sein Gegenüber hineinversetzen muss. So reagieren die Affen und auch der Mensch stärker, wenn sie einen Vertrauten gähnen sehen. Zudem neigen Menschen mit einer sehr mitfühlenden Persönlichkeitsstruktur ebenfalls eher zum Mitgähnen als ihre weniger einfühlsamen Zeitgenossen.
Bei Hunden war die Lage bisher weniger klar. Zwar zeigte eine Studie von 2008 ganz deutlich, dass sich die Tiere zum Mitgähnen animieren lassen, wenn sie einen Menschen gähnen sehen und hören. Aber die portugiesischen Forscher wandelten das Experiment nun ab und zeigten den Hunden keine gähnenden Menschen, sondern ließen sie nur dem typischen Geräusch beim Gähnen lauschen. Dabei gähnte mal ihr Besitzer, also eine vertraute Person, und mal ein Fremder. Zusätzlich hörten die Tiere die gleichen Gähngeräusche rückwärts abgespielt. Dieser Teil des Tests diente als Kontrolle, um alle Effekte auszuschließen, die nichts mit dem eigentlichen Gähnen zu tun hatten.
Es bleibt allerdings ungeklärt, ob sich die Tiere tatsächlich Gedanken um den aktuellen emotionalen Status ihres Herrchens machen oder ob sie lediglich instinktiv emotional reagieren, wenn sie Hinweise auf ein bestimmtes Gefühl wahrnehmen.
Es ist aber noch eine andere Erklärung denkbar: Es wäre durchaus möglich, dass das zum Gähnen verzogene Gesicht eines Menschen ein gespeichertes Bewegungsmuster bei den Hunden aktiviert, ohne dass die emotionale Ebene im Spiel ist. In diesem Fall hätten die Tiere stärker auf die vertraute Stimme reagiert, weil das dazugehörige Gesicht deutlicher vor ihrem geistigen Auge erscheint.
Den Grad der Empathie zu kennen, zu dem verschiedene Hunde fähig sind, könnte helfen, die passenden Tiere für besondere Aufgaben wie etwa das Führen von Blinden auszuwählen.





