Was wissen, wollen oder fühlen andere? Erfassen zu können, was im Gegenüber vorgeht, ist ein Schlüsselelement des menschlichen Sozialverhaltens. Die im Rahmen der sogenannten „Theory of Mind“ beschriebene Fähigkeit entwickelt sich Studien zufolge schon im frühen Kindesalter und nimmt dann immer komplexerer Formen an. Lange galt dies als eine exklusive Leistung unseres hochentwickelten Verstandes. Doch mittlerweile gibt es auch tierische Belege für die Fähigkeit zur mentalen Zuschreibung. Neben Menschenaffen und Rabenvögeln wurden auch bereits bei Hunden Aspekte dieser kognitiven Begabung festgestellt. Wie weit sie reicht, haben nun die Wissenschaftler um Juliane Bräuer vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena weiter ausgelotet.
„Unable versus Unwilling“-Test
Ihr Fokus lag dabei auf der Fähigkeit der Vierbeiner, unsere Absichten zu erfassen. Konkret gingen die Forscher der Frage nach: Begreifen Hunde, wann Menschen absichtlich oder unabsichtlich handeln, und verfügen sie damit über diese grundlegende Komponente der Theory of Mind? Bei der Studie nutzten die Wissenschaftler erstmals bei Hunden den sogenannten „Unable versus Unwilling“-Test. Er wird bei Kindern eingesetzt, um Reaktionsunterschiede zu erfassen, wenn sie mit einem Menschen konfrontiert sind, der entweder zu etwas nicht fähig (unable) oder nicht willens ist (unwilling). Bräuer und ihre Kollegen wendeten das Untersuchungsverfahren nun hingegen bei 51 privaten Familienhunden an.
Jeder wurde dazu mit drei Szenarien konfrontiert, bei denen Hund und Versuchsleiter durch eine transparente Wand voneinander getrennt waren, die das Tier aber theoretisch umlaufen konnte. Die Hunde wurden zunächst damit vertraut gemacht, dass sie durch eine Öffnung in der Trennwand einzelne Futterstücke erhielten. Bei dem „Will nicht“-Versuchsansatz zog der Versuchsleiter das Futterstück in einer absichtlichen Bewegung zurück und legte es vor sich auf den Boden. In der „Kann nicht – Ungeschickt“-Variante versuchte die Person das Futter durch die Öffnung zu reichen, scheiterte dann aber aus Ungeschicklichkeit: Die Belohnung fiel „aus Versehen“ auf den Boden – außerhalb der direkten Reichweite des Hundes. In einer weiteren „Kann nicht-Blockiert“-Version, war die gewollte Übergabe hingegen nicht möglich, weil die Öffnung in der Trennwand plötzlich geschlossen worden war. Letztlich landeten die Futterstücke in allen drei Fällen auf dem gleichen Platz vor dem Experimentator. Die Frage war nun: Reagieren die Hunde auch immer gleich?





