Kreuzmodale Wahrnehmung heißt der Fachbegriff: Unser Gehirn speichert Informationen in einer Weise ab, die eine Verknüpfung mit anderen Sinnen ermöglicht. So können wir etwa ein Schlüsselbund in einer Tasche voller anderer Sachen ertasten, denn in unserem Verstand gibt es ein mentales Bild dieses Objekts, das auch umfasst, wie es sich anfühlt. Neben dem Menschen ist diese komplexe kognitive Fähigkeit bisher nur von einigen hochentwickelten Wirbeltieren bekannt. Man könnte deshalb meinen, dass es sich gar nicht erst lohnt, sie bei Insekten zu suchen. Doch so simpel, wie man lange angenommen hat, sind diese Wesen nicht, haben Studien der letzten Jahre eindrucksvoll dokumentiert.
Erstaunlich clevere Insekten
Vor allem die Hummel hat dabei Köpfchen bewiesen: Die pummeligen Cousinen der Honigbienen können demnach Zusammenhänge erfassen und Aufgaben lösen. Es ist in diesem Kontext bekannt, dass sie sich visuelle und taktile Merkmale von Objekten einprägen, die sie über ihre Augen beziehungsweise das Betasten mit den Fühlern wahrnehmen. Im Rahmen ihrer Studie sind die Forscher der Queen Mary University in London nun der Frage nachgegangen, ob Hummeln bei diesen beiden Sinnen zu einer kreuzmodalen Wahrnehmung fähig sind.
Im ersten Versuch brachten sie ihren Hummeln zunächst bei, zwischen Kugeln und Würfeln allein durch ihren Tastsinn zu unterscheiden. Den Tieren wurden dazu in einem stockfinsteren Raum würfelförmige neben kugelförmigen Objekten auf Petrischalen präsentiert. Die Kugeln besaßen eine Öffnung, die Zugang zu leckerem Zuckerwasser bot. Bei den Würfeln gab es dagegen nur einen scheußlichen Bitterstoff. Wie Aufnahmen bei Infrarotbeleuchtung dokumentierten, lernten die Hummeln schnell, durch das Ertasten der Gebilde mit ihren Fühlern die Form mit der Belohnung zu verbinden: Sie widmeten ihr Interesse bei der krabbelnden Erkundung in der Dunkelheit schließlich nur noch den Kugeln, selbst wenn diese kein Zuckerwasser enthielten.
Als Nächstes folgte nun der entscheidende Versuch: Die Forscher präsentierten den Hummeln die Kugeln neben den Würfeln bei Tageslicht. Die Objekte waren dabei durch eine Glasscheibe unzugänglich gemacht – die Versuchstiere konnten sie somit nur sehen und nicht mehr ertasten. Dabei zeigten die Beobachtungen: Die Hummeln umschwirrten gezielt die Kugeln und ließen die Würfel links liegen. Demnach konnten sie das, was sie sahen, mit dem verknüpfen, was sie zuvor nur ertastet hatten. Mit anderen Worten: Offenbar sieht etwas, das sich rund anfühlt, für eine Hummel auch rund aus.





